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Aderhautmelanom/
Uveamelanom

Der Erkrankungsgipfel des Aderhautmelanoms- auch Uveamelanom genannt- liegt meist im mittleren bis höheren Erwachsenenalter, besonders zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. Es ist der häufigste primäre bösartige Augentumor bei Erwachsenen, insgesamt aber selten. Ein Aderhautmelanom entsteht aus pigmentbildenden Zellen, den uvealen Melanozyten. Diese produzieren normalerweise Melanin.

Durch genetische Veränderungen beginnen diese Zellen unkontrolliert zu wachsen, teilen sich vermehrt und bilden einen Tumor. Warum genau diese Veränderungen entstehen, ist nicht immer klar, beteiligt sein können jedoch spontane Mutationen sowie Veränderungen bestimmter Gene.

Besonders typisch ist der Verlust eines Chromosoms 3 (Monosomie 3), der oft mit aggressiverem Verlauf verbunden ist. Ebenfalls häufig sind Zugewinne auf dem langen Arm von Chromosom 8 (8q-Gewinn) sowie Veränderungen auf Chromosom 6, etwa ein Zugewinn von 6p. Als Risikofaktoren gelten helle Haut- und Augenfarbe. Die jährliche Neuerkrankungsrate liegt bei rund 7 von 1 Million, wobei die Erkrankungswahrscheinlichkeit mit zunehmendem Lebensalter steigt [1] Die Aderhaut (Choroidea) liegt zwischen der Netzhaut und der weißen Lederhaut (Sklera) des Auges und versorgt mithilfe eines Gefäßgeflechts dieses mit Nährstoffen und Sauerstoff.

Symptome und deren Entstehung

Häufig entsteht ein Aderhautmelanom im hinteren Abschnitt der Aderhaut, besonders nahe der Makula (Ort des schärfsten Sehens) oder im Bereich um den Sehnervenkopf. Dort befinden sich viele Melanozyten, aus denen sich der Tumor entwickeln kann. Seltener entsteht ein ähnliches uveales Melanom auch im Ziliarkörper oder in der Iris. Innerhalb der Aderhaut selbst gibt es keine typische Stelle- aber der hintere Augenabschnitt ist am häufigsten betroffen.

Die Symptome fehlen anfangs oft völlig, weshalb der Tumor nicht selten zufällig bei augenärztlichen Untersuchungen entdeckt wird.

Wenn Beschwerden auftreten, sind typisch verschwommenes Sehen, Gesichtsfeldausfälle, Lichtblitze, Schattensehen, Verzerrtsehen oder eine plötzliche Sehverschlechterung. Schmerzen treten eher selten auf und meist erst bei fortgeschrittener Erkrankung, etwa bei erhöhtem Augeninnendruck.

Diagnose

  • Sehprüfung: Kontrolle der Sehschärfe und des Gesichtsfeldes.
  • Spaltlampenuntersuchung: Untersuchung des vorderen Augenabschnitts.
  • Augenhintergrundspiegelung (Funduskopie): Nach Pupillenerweiterung direkte Beurteilung von Netzhaut und Aderhaut; oft wichtigste Erstuntersuchung.
  • Ultraschall des Auges (B-Scan): Bestimmung von Größe, Dicke und Lage des Tumors.
  • Optische Kohärenztomographie (OCT): Darstellung von Netzhautveränderungen oder Flüssigkeit über dem Tumor.
  • MRT / CT: Bei speziellen Fragestellungen zur Ausdehnung außerhalb des Auges.
  • Metastasensuche nach Diagnosesicherung: Besonders Untersuchung der Leber (Ultraschall, MRT, CT) sowie Blutuntersuchungen.

Die Diagnose wird häufig bereits durch die Kombination aus Augenhintergrundbefund und Ultraschall gestellt!

Behandlungsmöglichkeiten

Watch& Wait (aktive Überwachung)

  • Betrifft vor allem sehr kleine, unklare pigmentierte Aderhautläsionen, bei denen noch nicht sicher ist, ob es sich bereits um ein Melanom oder eher um einen gutartigen Nävus handelt.
  • Regelmäßige Kontrollen mit Funduskopie, Fotovergleich, Ultraschall und oft OCT in kurzen Abständen.
  • Beobachtet wird besonders, ob der Befund wächst, dicker wird, Flüssigkeit verursacht oder Symptome macht.
  • Sobald Risikomerkmale auftreten, wird meist eine aktive Behandlung empfohlen.

Brachytherapie

  • Häufige Standardtherapie bei kleinen bis mittelgroßen Tumoren.
  • Radioaktive Platte wird vorübergehend außen auf das Auge genäht.
  • Gute lokale Kontrollraten, oft augenerhaltend.

Protonentherapie

  • Präzise externe Bestrahlung bei geeigneter Lage oder Größe.
  • Schonung umliegender Strukturen möglich

Operation mit Erhalt des Auges

  • Chirurgische Entfernung des Tumors in spezialisierten Zentren.
  • Nur für ausgewählte Fälle geeignet.

Entfernung des Auges (Enukleation)

  • Bei sehr großen Tumoren, starken Schmerzen oder wenn kein Sehvermögen mehr erhalten werden kann.
  • Danach Versorgung mit Augenprothese möglich.

Radiochirurgie

  • Nicht-invasive Präzisionsbehandlung mit robotergestützter Technologie (CyberKnife& ZAP-X)
  • Augenerhaltende Alternative bei geeigneten Aderhautmelanomen, besonders wenn andere Bestrahlungsverfahren ungünstig sind.
  • Großer Vorteil: sehr gezielte Strahlendosis in nur einer Sitzung ohne chirurgischen Eingriff.

CyberKnife & ZAP-X

Die CyberKnife- oder ZAP-X-Therapie erfolgt gegenüber einer herkömmlichen Operation ambulant. Umliegendes Gewebe wird durch das schmerzfreie, submillimetergenaue und präzise Verfahren bestmöglich geschont. Eine Narkose ist nicht erforderlich. In über 90% der Fälle reicht eine einmalige Behandlung mit dem CyberKnife oder ZAP-X aus, um die gutartige Raumforderung auszuschalten. Die Behandlungssitzung dauert zwischen 10 und 20 Minuten.

Im ERCM behandeln wir seit mehr als 20 Jahren erfolgreich Patienten - hierunter rund 1250 Patienten mit Aderhautmelanomen. Studiendaten zeigen, dass eine CyberKnife-Therapie -bei geeigneter Indikation-einer Operation mit Entfernung des Auges deutlich überlegen ist. Dies bedeutet deutlich besser, Lebensqualität für den Patienten – körperlich und emotional.

Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen im Abstand von zunächst etwa 3 Monaten sind essenziell, um den Erfolg der Therapie sicherzustellen.

Robotergeführte CyberKnife-Technologie zur Behandlung des Aderhautmelanoms

Dieses Video zeigt eine Aderhautmelanom-Behandlung in Kooperation mit der Universitätsaugenklinik München (LMU). Bisher wurden im ERCM schon über 1.250 Patientinnen und Patienten mit dieser Methode behandelt.

13 Publikationen

Behandlungsanfragen

Komplexer gewordene Therapiemöglichkeiten bedeuten auch, dass Ihre persönliche Entscheidung für eine Therapie immer auch mit Blick auf Ihre persönliche Lebenssituation erfolgen sollte. Wir begleiten Sie auf diesem Weg und beraten Sie umfassend hinsichtlich eines für Sie individuell bestmöglichen Behandlungskonzepts. Sprechen Sie uns direkt an oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Sie erreichen uns telefonisch während unserer Öffnungszeiten oder auch über unsere Social Media Kanäle.

Ihre Anfrage wird individuell und schnell bearbeitet.

Häufige Fragen

Aderhautmelanome sind immer bösartig. Der Schweregrad hängt von unterschiedlichen Faktoren ab- Größe, Lage und Lokalisation des Tumors sind hierbei entscheidend. Die Früherkennung und die sofortige wirksame Behandlung durch Spezialisten sind essenziell für die Prognose.


Die Notwendigkeit einer sofortigen Behandlung hängt von der individuellen Situation ab. Sehr kleinere und langsam wachsende Auffälligkeiten, die noch nicht sicher als Melanom klassifiziert sind, können unter regelmäßiger Überwachung bleiben, während größere oder schneller wachsende Aderhautmelanome eine sofort behandelt werden müssen.

Die genauen Risiken hängen vor allem von der Größe und Lage des Melanoms ab. Die Behandlung ist insgesamt nebenwirkungsarm- vor Allem im Vergleich zur operativen Therapie. Dennoch können auch hier vereinzelt Nebenwirkungen auftreten, darunter vorübergehende Sehstörungen oder Reizungen des umgebenden Gewebes.

Ja, ein Aderhautmelanom kann auch nach einer erfolgreichen Behandlung erneut auftreten, wenn auch sehr selten. Eine erneute radiochirurgische Behandlung ist meist problemlos möglich. Das genaue Vorgehen wirdindividuell abgestimmt.

Verschwommenes oder verzerrtes Sehen, eingeschränkte einseitige Sehschärfe, Schatten oder dunkle Flecken im Gesichtsfeld, Lichtblitze oder „fliegende Mücken“ können erste Symptome sein. Diese sind allerdings alle relativ unspezifisch und müssen umgehend beim Augenarzt abgeklärt werden.


[1] Schuler-Thurner, B. Bartz-Schmidt, K. U., Bornfeld, N., Cursiefen, C., Fuisting, B. et al., Immuntherapie beim Aderhautmelanom: Vakzination gegen Krebs. Der Ophtalmologe 2015;112:1017-1021.
https://link.springer.com/article/10.1007/s00347-015-0162-z

[2] Lindner-Eibl, K., Fürweger, C., Nentwich, M., Foerster, P., Wowra, B. et al., Robotic radiosurgery for the treatment of medium and large uveal melanoma. Melanoma Res. 2016;26(1):51-57.
https://journals.lww.com/melanomaresearch/abstract/2016/02000/robotic_radiosurgery_for_the_treatment_of_medium.8.aspx

[3] Liegl, R., Schmelter, V., Fuerweger, C., Ehret, F., Priglinger, S. et al., Robotic Cyberknife radiosurgery for the treatment of choroidal and ciliary body melanoma. Am J Ophthalmol. 2023;250:177-185.
https://www.ajo.com/article/S0002-9394(22)00519-0/abstract

[4] Muacevic, A., Nentwich, M., Wowra, B., Staerk, S., Kampik, A., Schaller, U., Development of a streamlined, non-invasive robotic radiosurgery method for treatment of uveal melanoma. Technol Cancer Res Treat. 2008;7(5):369-374.
https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/153303460800700503

[5] Klingenstein, A., Fürweger, C., Mühlhofer, A. K., Leicht, S. F., Schaller, U. C. et al., Quality of life in the follow-up of uveal melanoma patients after enucleation in comparison to CyberKnife treatment. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2016;254(5):1005-1012.
https://link.springer.com/article/10.1007/s00417-015-3216-7