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Arteriovenöse Malformation (AVM).
Was Sie jetzt wissen sollten und welcher Weg zu Ihnen passt.

Vielleicht war es ein Krampfanfall aus heiterem Himmel. Vielleicht ein plötzlicher, heftiger Kopfschmerz. Oder die AVM wurde ganz zufällig bei einer MRT Untersuchung entdeckt. Und nun hören Sie zum ersten Mal von einer Gefäßfehlbildung in Ihrem Gehirn.

Das ist viel auf einmal. Wir möchten Ihnen helfen, Ihre Diagnose zu verstehen und Ihre Möglichkeiten in Ruhe abzuwägen. Auf dieser Seite erklären wir, was eine AVM ist, warum sie behandelt werden sollte undwie die Radiochirurgie dabei hilft – ohne Operation am offenen Kopf.

Das Wichtigste vorab

  • Angeboren

    Sie haben nichts falsch gemacht

    Eine AVM ist von Geburt an vorhanden.

    Erworbene Risikofaktoren wie bei Tumoren gibt es nicht.

  • 0,1 %

    Selten – aber bekannt

    der Bevölkerung haben eine AVM.

    Meist macht sie sich zwischen 20 und 40 Jahren bemerkbar.

  • 75–85 %

    Gut behandelbar

    der AVMs bis 3 cm sind 3 Jahre nach der Radiochirurgie vollständig verschlossen.


  • Eine Sitzung

    Ohne Schnitt

    Die Behandlung erfolgt meist in einer einzigen Sitzung – ambulant und ohne Krankenhausaufenthalt.

01 · VERSTEHEN

Was ist eine arteriovenöse Malformation?

Normalerweise fließt das Blut aus den Arterien durch ein feines Netzwinziger Haargefäße, bevor es in die Venen gelangt. Dieses Netz bremst den Druck. Bei einer AVM fehlt es: Arterien und Venen sind direkt miteinander verbunden.

Kurz erklärt

Ein „Kurzschluss“ im Gefäßsystem

Das Knäuel, in dem Arterien und Venen direkt aufeinandertreffen, heißt Nidus – lateinisch für „Nest“. Es ist der Kern der Fehlbildung.

Warum das ein Risiko ist

Das Blut strömt mit hohem Druck in Venen, die dafür nicht gebaut sind. Ihre Wände stehen dauerhaft unter Spannung – und können reißen.

Wo sie liegt

Bei etwa 85 % im Großhirn, bei etwa 15 % im Kleinhirn oder Hirnstamm.

Wie riskant ist Ihre AVM?

Ärztinnen und Ärzte nutzen dafür die Spetzler-Martin-Skala von Grad I bis V. Grad I–III sind in der Regel gut behandelbar, Grad IV–V haben ein deutlich höheres Behandlungsrisiko.

Wie hoch ist mein Blutungsrisiko

Wahrscheinlichkeit einer Blutung pro Jahr


Unbehandelte AVM

ca. 2–4 %


Im ersten Jahr nach einer Blutung

ca. 6–18 %


Nach nachgewiesenem vollständigem Verschluss

aufgehoben


Das Risiko klingt im einzelnen Jahr klein – über viele Lebensjahre summiert es sich jedoch. Deshalb lohnt es sich, eine AVM zu behandeln.

02 · ANZEICHEN

Welche Beschwerden kann eine AVM verursachen?

Manche Menschen leben lange mit einer AVM, ohne etwas davon zu ahnen. Immer häufiger wird sie zufällig bei einer MRT entdeckt. Wenn sie sich bemerkbar macht, dann meist so:

BEI CA. 50 % DAS ERSTE ZEICHEN

Eine Hirnblutung

Plötzlicher, heftigster Kopfschmerz, Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit, Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen. Eine Blutung ist immer ein Notfall und kann bleibende Schäden hinterlassen.


BEI CA. 25–30 %

Krampfanfälle

Die AVM reizt das umliegende Hirngewebe. Ein epileptischer Anfall kann der einzige Hinweis auf sie sein.


BEI CA. 15 %

Kopfschmerzen

Unspezifische Kopfschmerzen ohne Blutung – die AVM fällt dann oft erst in der Bildgebung auf.


BEI CA. 5–10 %

Schleichende Ausfälle

Die AVM „stiehlt“ dem umliegenden Gewebe Blut. Das kann über Zeit zu langsam zunehmenden neurologischen Beschwerden führen.


SELTEN

Pulsierendes Ohrgeräusch

Bei großer oder oberflächlicher AVM kann man den starken Blutfluss im Takt des Herzschlags hören.

03 · DIAGNOSE

Wie die Diagnose gestellt wird

Um Ihre AVM sicher behandeln zu können, müssen wir ihren Aufbau genau kennen: wo das Blut hineinfließt, wo es wieder abfließt und welche wichtigen Hirnbereiche in der Nähe liegen.

MRT des Kopfes

Zeigt die Gefäße ohne Eingriff, macht Spuren früherer kleiner Blutungen sichtbar und zeigt, wo wichtige Bereiche für Sprache, Bewegung und Sehen liegen.

Katheter-Gefäßdarstellung (DSA)

Der Goldstandard und vor jeder Behandlung notwendig. Sie zeigt den genauen Aufbau der AVM und mögliche Gefäßaussackungen (Aneurysmen), die bei 10–20 % zusätzlich vorliegen. Sie ist auch die Grundlage für die Bestrahlungsplanung.

CT und CT-Angiographie

Vor allem im Notfall bei einer akuten Blutung – schnell verfügbar und aussagekräftig.

04 · BEHANDLUNG

Welche Behandlung passt zu Ihnen?

Ein Team aus Neurochirurgie, Neuroradiologie und Strahlentherapie legt Ihre Behandlung gemeinsam fest. Eine wichtige Rolle spielt die Spetzler-Martin-Skala (Grad I–V): Grad I–III sind in der Regel gut behandelbar, Grad IV–V haben ein deutlich höheres Behandlungsrisiko.

Entscheidend sind außerdem Größe und Lage der AVM, ob sie schon geblutet hat, Ihr Alter, Ihre Gesundheit – und Ihre Wünsche. Wir besprechen alle Optionen offen und in Ruhe mit Ihnen.

MUSS ICH SOFORT HANDELN?

Aktive Beobachtung

Regelmäßige MRT-Kontrollen, bei Bedarf Medikamente gegen Anfälle und ein gut eingestellter Blutdruck.

Kommt für Sie infrage, wenn Ihre AVM sehr klein ist, keine Beschwerden macht und noch nie geblutet hat – oder wenn das Behandlungsrisiko sehr hoch ist (Grad IV–V).

WANN IST EINE OPERATION SINNVOLL?

Neurochirurgische Entfernung

Schaltet die AVM sofort vollständig aus. Liegt sie in wichtigen Hirnbereichen, ist das Risiko bleibender Schäden jedoch hoch.

Kommt für Sie infrage, wenn Ihre AVM Grad I–II hat und oberflächlich, gut zugänglich liegt.

GIBT ES EINE ALTERNATIVE ZUR OPERATION?

Stereotaktische Radiochirurgie

Mit CyberKnife oder ZAP-X – ohne Schnitt. Bei AVMs bis 3 cm sind nach 3 Jahren 75–85 % vollständig verschlossen. Die Wirkung tritt nach 2–3 Jahren ein.

Kommt für Sie infrage, wenn Ihre AVM Grad I–III hat, bis etwa 3 cm groß ist, tief oder nahe an Sprach- und Bewegungszentren liegt, nach Operation oder Embolisation ein Rest geblieben ist oder Sie eine Operation vermeiden möchten.

ERGÄNZENDE VERFAHREN

Embolisation

Über einen Katheter werden zuführende Gefäße verschlossen. Allein heilt sie selten (unter 10 %), verkleinert die AVM aber oft vor einer Operation oder Radiochirurgie.

Kombination

Bei größeren oder komplexen AVMs (Grad III–IV): Embolisation plus Radiochirurgie oder plus Operation – gemeinsam geplant im Neurogefäßteam.

05 · NACH DER BEHANDLUNG

Wann ist meine AVM ausgeschaltet?

Die Radiochirurgie wirkt nicht sofort. In den 2–3 Jahren nach der Behandlung verdicken sich die Gefäßwände im Knäuel langsam, bis sie sich verschließen. Bis dahin bleibt ein Blutungsrisiko ähnlich wie bei einer unbehandelten AVM – im ersten Jahr kann es sogar leicht erhöht sein. Regelmäßige Kontrollen geben Ihnen Sicherheit: jährlich eine MRT-Gefäßdarstellung, nach 3 Jahren eine DSA, die den vollständigen Verschluss nachweist.

75–85 %

der AVMs bis 3 cm sind nach 3 Jahren vollständig verschlossen.

2–3 Jahre

dauert es, bis die Wirkung vollständig eingetreten ist.

aufgehoben

ist das Blutungsrisiko, sobald der Verschluss nachgewiesen ist.

06 · CYBERKNIFE & ZAP-X

Was erwartet mich bei einer Behandlung mit CyberKnife oder ZAP-X?

Liegt Ihre AVM tief im Gehirn oder nah an Bereichen für Sprache oder Bewegung, wäre eine Operation mit einem hohen Risiko verbunden.

Hier ist die Radiochirurgie die bevorzugte Behandlung. Die gebündelte Strahlung trifft ausschließlich das Gefäßknäuel. Für die Planung kombinieren wir MRT, CT-Angiographie und DSA – so wird die Behandlung millimetergenau. Sie kommen zu uns und gehen am selben Tag wieder nach Hause.

Kein Schnitt, keine Narkose

Sie sind während der Behandlung wach und können entspannt liegen.

Meist eine einzige Sitzung

Ambulant – kein Krankenhausaufenthalt.

Nur das Gefäßknäuel

Zu- und abführende Gefäße und das umliegende Gehirn werden geschont.

Gemeinsam entschieden

Neurochirurgie, Neuroradiologie und Strahlentherapie planen Ihre Behandlung zusammen.

07 · AUS DER PRAXIS

So kann das Ergebnis aussehen:
ein Beispiel aus unserem Centrum

Behandlungsverlauf bei einem 15-jährigen Patienten mit einer Gefäßfehlbildung.

Links: Vor der Cyberknife-Behandlung

Rechts: 14 Monate nach der Behandlung

Wie funktioniert die Radiochirurgie bei einer AVM?

Im Video erklärt ERCM-Direktor Prof. Muacevic, wie die Radiochirurgie bei einer AVM wirkt – und warum Patientinnen und Patienten dank hoher Präzision und ohne Eingriff am offenen Kopf deutlich weniger Komplikationen haben und schneller genesen.

Auf welche Erfahrung kann ich mich verlassen?

11 Publikationen

08 · IHRE FRAGEN

Ihre Fragen – unsere Antworten

Typischerweise 2–3 Jahre nach der Radiochirurgie zeigt eine DSA, ob noch Blut durch das Gefäßknäuel fließt. Ist das nicht mehr der Fall, gilt die AVM als geheilt. Eine MRT kann den Verschluss andeuten, reicht für den sicheren Nachweis aber nicht aus.

Ja – und wir möchten offen darüber sprechen. Bis die AVM nach 2–3 Jahren vollständig verschlossen ist, besteht ein Blutungsrisiko ähnlich wie bei einer unbehandelten AVM; im ersten Jahr kann es leicht erhöht sein. Diese Wartezeit beziehen wir in die gemeinsame Entscheidung mit Ihnen ein.

Zuerst wird die akute Blutung neurochirurgisch oder intensivmedizinisch versorgt. Danach ist eine zügige Behandlung wichtig, weil das Risiko einer erneuten Blutung im ersten Jahr deutlich erhöht ist (ca. 6–18 %). Die Radiochirurgie kann auch nach einer Blutung eingesetzt werden – am besten, wenn sich der Bluterguss zurückgebildet hat.

Ein Aneurysma ist eine Aussackung einer einzelnen Arterie und wird meist sofort operativ oder per Katheter verschlossen. Eine AVM ist ein komplexes Gefäßknäuel, das sich nach einer CyberKnife-Behandlung über 2–3 Jahre verschließen kann. Bei 10–20 % der AVMs liegt zusätzlich ein Aneurysma vor, das gesondert behandelt wird.

Eine AVM ist angeboren, auch wenn sie sich meist erst zwischen 20 und 40 Jahren bemerkbar macht. Es gibt keine erworbenen Risikofaktoren – Sie hätten sie nicht verhindern können. Selten tritt sie im Rahmen einer erblichen Erkrankung auf, etwa dem Morbus Osler. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.

Ihr nächster Schritt:
Ist Radiochirurgie für mich geeignet?

Sie müssen diese Entscheidung nicht allein treffen.

SendenSie uns Ihre MRT-Aufnahmen und Befunde – unser Ärzteteam prüft sie unverbindlich, bespricht mit Ihnen alle Optionen und meldet sich persönlich bei Ihnen.

Medizinisch geprüft von: Prof. Dr. med. Alexander Muacevic und Dr. med. Isabel Lackermeier
Letzte medizinische Aktualisierung: August 2026