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Hypophysenadenom

Ein Hypophysenadenom ist ein gutartiger (benigner), meist langsam wachsender Tumor, der von den Drüsenzellen der Hypophyse ausgeht – einem erbsengroßen Organ an der Schädelbasis, das als „Dirigent" des gesamten Hormonsystems gilt. Die Hypophyse kontrolliert u. a. Wachstum, Stoffwechsel, Schilddrüse, Nebennieren und Fortpflanzungsorgane.

Hypophysenadenome machen etwa 10–15 % aller primären intrakraniellen Tumoren aus und sind damit eine der häufigsten Hirntumorarten. In Autopsie-Studien finden sich bei bis zu 20 % der Bevölkerung kleine, klinisch stumme Hypophysenadenom­e [1]. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten, mit einem Häufigkeitsgipfel zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Hypophysenadenome werden nach zwei Kriterien eingeteilt:

Einteilung nach Größe
  • Mikroadenom: Durchmesser < 10 mm – oft Zufallsbefund, häufig hormonell aktiv
  • Makroadenom: Durchmesser ≥ 10 mm – kann in die Umgebung einwachsen und Nachbarstrukturen (Sehnerven, Hirnnervenkerne) komprimieren
Einteilung nach Hormonaktivität
  • Prolaktinom (PRL-sezernierend): ~40 % (Zyklusstörungen, Galaktorrhö, Libidoverlust, Infertilität)
  • Wachstumshormon-Adenom (GH): ~20 % (Akromegalie - Vergrößerung von Händen, Füßen, Gesicht)
  • ACTH-Adenom: ~10–15 % (Morbus Cushing - Stammfettsucht, Hypertonie, Diabetes)
  • TSH-Adenom: <1 % (Sekundäre Hyperthyreose)
  • Nicht-funktionierend (NFA): ~25–30 % (Raumforderungszeichen, Hypophyseninsuffizienz)

Hypophysenadenome sind in aller Regel gutartig und metastasieren nicht. Viele Mikro­adenome werden zufällig bei einer MRT-Untersuchung entdeckt und erfordern zunächst keine sofortige Behandlung.

Symptome und deren Entstehung

Die Symptome eines Hypophysenadenoms entstehen durch zwei unterschiedliche Mechanismen: den Hormonüberschuss bei funktionierenden Adenomen und die mechanische Verdrängung durch das Tumorwachstum.

Symptome durch Hormonüberschuss (funktionierend)

Prolaktinom
  • Bei Frauen: Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö), Milchabsonderung aus der Brust (Galaktorrhö), Unfruchtbarkeit.
  • Bei Männern: Libidoverlust, erektile Dysfunktion, Gynäkomastie.
Akromegalie (GH-Adenom)
  • Vergröberung der Gesichtszüge, Vergrößerung von Händen und Füßen, Gelenkschmerzen, verstärktes Schwitzen, erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes.
Morbus Cushing (ACTH-Adenom)
  • Stammfettsucht mit „Büffelnacken", Mondgesicht, Dehnungsstreifen (Striae), Bluthochdruck, Diabetes, Osteoporose, Stimmungsschwankungen.
TSH-Adenom
  • Ungewollter Gewichtsverlust, Herzrasen, innere Unruhe, Schwitzen – ähnlich einer Schilddrüsenüberfunktion.

Symptome durch Raumforderung (Verdrängungseffekte)

Gesichtsfeldausfälle
  • Bitemporale Hemianopsie durch Druck auf das Chiasma opticum (die Kreuzungsstelle der Sehnerven direkt oberhalb der Hypophyse) → Die seitlichen Gesichtsfelder beider Augen fallen aus.
Sehstörungen und Sehverlust
  • Bei ausgeprägtem Druck auf den Sehnerv.
Kopfschmerzen
  • Retroorbital (hinter den Augen) oder bitemporal.
Hypophyseninsuffizienz
  • Hormonmangel durch Verdrängung des gesunden Hypophysengewebes → Müdigkeit, Libidoverlust, Kälteempfindlichkeit, Nebennierenkrisen.
Hirnnervenlähmungen
  • Bei Einwachsen der Raumforderung in den Sinus cavernosus → Doppelbilder, Taubheitsgefühl im Gesicht.
Hypophysenapoplexie
  • Akute Einblutung ins Adenom: Plötzlicher starker Kopfschmerz, akute Sehverschlechterung, Bewusstseinstrübung – medizinischer Notfall!

Diagnose

  • MRT der Hypophyse mit Kontrastmittel: Bildgebung der Wahl. Ermöglicht eine genaue Darstellung von Tumorgröße und -Lage, Ausdehnung in die Umgebung (Sinus cavernosus, Chiasma opticum) sowie die Beziehung zu umliegenden Strukturen.
  • Hormonlabor: Basalwerte aller Hypophysenhormone sowie ihrer Zielorgane (z. B. IGF-1 bei Verdacht auf Akromegalie, Cortisol und ACTH bei Cushing-Verdacht, Prolaktin, TSH, FSH, LH). Je nach Fragestellung ergänzend: Funktionstests (z. B. oraler Glukosetoleranztest bei Akromegalie, Dexamethason-Hemmtest bei Cushing).
  • Ophthalmologische Untersuchung: Perimetrie (Gesichtsfeldmessung) und Sehschärfentestung – unverzichtbar bei Makroadenomen mit Nähe zum Chiasma opticum.
  • Endokrinologische Untersuchung: Beurteilung der Hypophysenfunktion insgesamt (Hypophyseninsuffizienz?) und Therapieplanung.
  • CT der Schädelbasis: Ergänzend bei operativer Planung zur Beurteilung der knöchernen Strukturen (Sella turcica).

Behandlungsmöglichkeiten

Die Wahl der Therapie hängt von Tumortyp, Größe, Hormonaktivität, den Beschwerden des Patienten sowie dessen Allgemeinzustand und persönlichen Wünschen ab. In der Regel wird die Entscheidung interdisziplinär getroffen.

„Watch & Wait“ (aktive Beobachtung)

  • Häufig bei kleinen, hormoninaktiven Mikroadenomen
  • Regelmäßige MRT-Kontrollen und Hormonlabor.
  • Vorteil: Keine unmittelbaren Therapie-Risiken.
  • Nachteil: Behandlung bei Wachstum ggf. später notwendig.

Medikamentöse Therapie

  • Therapie der Wahl beim Prolaktinom: Dopaminagonisten (z. B. Cabergolin)
  • Bei GH-Adenom/Akromegalie: Somatostatin-Analoga, GH-Rezeptor-Antagonisten
  • Gute Tumor­kontrolle und Hormonnormalisierung in vielen Fällen

Operative Entfernung

  • Meist transsphenoidal (endoskopisch durch die Nase), minimal-invasiv.
  • Bei Makroadenomen mit Sehnervdruck oder fehlendem Ansprechen auf Medikamente.
  • Risiken sind Hypophyseninsuffizienz, Diabetes insipidus, Liquorleck, Sehverschlechterung.

Radiochirurgie

  • Nicht-invasive Präzisionsbehandlung mit robotergestützter Technologie (CyberKnife & ZAP-X)
  • Besonders geeignet bei Restadenom nach OP, Rezidiv oder Inoperabilität.
  • Kein chirurgischer Eingriff, keine Narkose erforderlich.

CyberKnife & ZAP-X

Die Radiochirurgie stellt eine etablierte, nicht-invasive Behandlungsoption für Hypophysenadenome dar – insbesondere dann, wenn nach einer Operation Tumorgewebe verblieben ist, ein Rezidiv auftritt oder eine Operation nicht möglich oder nicht gewünscht ist.

Vorteile der radiochirurgischen Behandlung am ERC München sind die submillimetergenaue Bestrahlung des Tumors, die umliegendes gesundes Gewebe maximal schont (insbesondere Sehnerven und Chiasma opticum).

Der Eingriff ist ambulant, schmerzfrei und ohne Narkose. In der Regel ist nur eine Behandlungssitzung notwendig und dauert etwa 20 Min.

Wir haben bisher ca. 400 Pat. mit Hypophysenadenom behandelt und verfügen über mehr als 20 Jahre Erfahrung am ERCM.

Das CyberKnife- und ZAP-X-System appliziert hochdosierte, präzise fokussierte Strahlenbündel aus vielen verschiedenen Richtungen. Dadurch wird im Tumor eine hohe, biologisch sehr wirksame Dosis erreicht.

Bei hormon-inaktiven Adenomen beträgt die langfristige Tumorkontrolle nach Radiochirurgie über 90 %. Bei hormon-aktiven Adenomen (Akromegalie, Morbus Cushing) wird eine Hormonnormalisierung je nach Subtyp in 40–80 % der Fälle erreicht. Die Tumorkontrolle ist dabei in aller Regel ebenfalls sehr hoch.

Behandlungsanfragen

Komplexe Therapiemöglichkeiten bedeuten auch, dass Ihre Entscheidung immer auch mit Blick auf Ihre ganz persönliche Lebenssituation erfolgen sollte. Wir unterstützen Sie hierbei und beraten Sie jederzeit unverbindlich.


Häufige Fragen

Ein Hypophysenadenom ist ein gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), einem erbsengroßen Organ an der Schädelbasis, das zahlreiche Körperfunktionen über Hormone steuert. Hypophysenadenome sind die häufigsten Tumoren im Bereich der Schädelbasis und metastasieren nicht. Je nach Typ produzieren sie überschüssige Hormone (funktionierend) oder verursachen Beschwerden allein durch ihr Wachstum (nicht-funktionierend).

Die Symptome sind vielfältig und hängen vom Tumortyp ab. Häufige Zeichen sind:

  • Sehstörungen oder Gesichtsfeldausfälle (seitliches Sehen beeinträchtigt)
  • Hormonelle Störungen (z. B. Zyklusstörungen, Akromegalie-Zeichen, Cushing-Symptome)
  • Müdigkeit und Leistungsminderung durch Hormonmangel

Viele kleine Adenome werden zufällig bei einer MRT-Untersuchung entdeckt.

Nein. Kleine, hormoninaktive Mikroadenome ohne Symptome können zunächst beobachtet werden. Ob eine Behandlung erforderlich ist, hängt ab von:

  • Tumorgröße und Wachstumstendenz
  • Hormonaktivität und Ausmaß der Hormonüberschuss-Symptome
  • Nähe zum Chiasma opticum
  • Patientenalter und Allgemeinzustand

In der Regel entstehen nach der radiochirurgischen Behandlung keine körperlichen Einschränkungen. Es erfolgen regelmäßige MRT-Kontrollen sowie Hormonlaboruntersuchungen nach individueller Absprache mit dem behandelnden Arzt. Da die Wirkung der Radiochirurgie Wochen bis Monate dauert und der Tumor erst langsam kleiner wird, sind regelmäßige endokrinologische Verlaufskontrollen wichtig.

Nach vollständiger operativer Entfernung ist ein Rezidiv selten, kommt aber vor – insbesondere bei inkompletter Resektion. Die Radiochirurgie ist eine sehr effektive Strategie zur Behandlung von Resttumoren oder Rezidiven mit langfristigen Kontrollraten von über 90 % bei nicht-funktionierenden Adenomen.