Das hepatozelluläre Karzinom (HCC, auch: Leberzellkarzinom) ist ein bösartiger Tumor, der von den Leberzellen (Hepatozyten) ausgeht. Es ist weltweit die häufigste primäre Lebermalignität und macht etwa 75–85 % aller primären Lebertumoren aus. Global gehört das HCC zu den häufigsten Krebstodesursachen. In Deutschland erkranken jährlich rund 9.000–10.000 Menschen neu am HCC. In mehr als 80–90 % der Fälle entsteht es auf dem Boden einer bestehenden Leberzirrhose oder chronischen Hepatitis. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr- Männer sind etwa dreimal häufiger betroffen als Frauen.
Das fibrolamelläre HCC ist ein seltener Subtyp, der typischerweise bei jungen Erwachsenen ohne zugrundeliegende Lebererkrankung auftritt. Es hat eine eigenständige Biologie, wird oft groß, bevor Symptome entstehen, und hat eine günstigere Prognose als das klassische HCC.
Das hepatozelluläre Karzinom ist im Frühstadium oft asymptomatisch – insbesondere wenn es im Rahmen eines Zirrhose-Screenings entdeckt wird. Klinische Symptome entstehen meist erst bei größerem Tumorvolumen oder fortgeschrittener Erkrankung.
Das HCC ist einer der wenigen soliden Tumoren, bei dem unter bestimmten Voraussetzungen eine bildgebungsbasierte Diagnose ohne Biopsie möglich und trotzdem leitlinienkonform ist – vorausgesetzt, typische Kontrastmittelcharakteristika (arterielles Enhancement mit portalvenösem Washout) liegen im Rahmen einer Zirrhose vor.
Das HCC wird nach dem Barcelona Clinic Liver Cancer (BCLC)-System eingeteilt – dem international führenden Staging-System, das Tumorbefund, Leberfunktion und Allgemeinzustand des Patienten verbindet:
Die Therapiewahl beim HCC ist komplex und hängt nicht nur vom Tumor ab, sondern entscheidend auch von der zugrundliegenden Leberfunktion. Die Entscheidung, welche Therapie am Besten für den Patienten geeignet ist, wird interdisziplinär im Tumorboard getroffen – unter Beteiligung von Hepatologie, Viszeralchirurgie, interventioneller Radiologie, Onkologie und Radiochirurgie.
Lokale Tumorzerstörung durch hochfrequenten Wechselstrom, der Hitze erzeugt (60–100 °C). Standardverfahren für Patienten mit frühem HCC, wenn eine Resektion oder Transplantation nicht möglich ist.
Erzeugung von Hitze durch elektromagnetische Mikrowellen. Vorteile gegenüber RFA:
Tumorzerstörung durch extreme Kälte. Kann vorteilhaft sein bei: Perivaskulären Tumoren, Tumoren nahe empfindlicher Strukturen (z.B.Gallenwege). Wird deutlich seltener eingesetzt als RFA oder MWA.
Stellenwert
Prinzip
Katheterisierung der A. hepatica und selektive Darstellung der tumorversorgenden Arterien- dann Applikation eines Chemotherapeutikums (z. B. Doxorubicin) mit anschließender Embolisation der Tumorgefäße.
TARE = Transarterielle Radioembolisation.
SIRT = Selective Internal Radiation Therapy.
Beide Begriffe werden meist synonym verwendet.
Systemische Therapien werden vor allem eingesetzt bei:
Nach Progress unter Erstlinientherapie:
Die stereotaktische Radiochirurgie (SBRT/SABR) hat sich beim hepatozellulären Karzinom als wirksame und sichere Option etabliert – mittels CyberKnife können sehr hohe Strahlendosen millimetergenau auf den Tumor appliziert werden, während die gesunde Leber, Gallenblase, Magen und Darm maximal geschont werden.
Die unkomplizierte Behandlung im Cyberknife verbessert Komfort & Lebensqualität. Durch die nicht-invasive Behandlung gibt es keine operations- oder narkosebedingten Risiken wie bei einem chirurgischen Eingriff. Viele Patienten können ihren Alltag bereits unmittelbar nach der Behandlung wie gewohnt fortsetzen. Seit mehr als 20 Jahren behandeln wir im ERCM erfolgreich Patienten. Aktuelle Studien zeigen für die SBRT beim HCC lokale Kontrollraten von 80–95 % nach 2 Jahren- vergleichbar mit thermischer Ablation bei geeigneter Patientenselektion.
Die Behandlung erfolgt in der Regel in 3–6 Sitzungen, die jeweils ca 20 Min dauern.
Das HCC ist ein primärer Lebertumor – er entsteht aus den Leberzellen selbst. Lebermetastasen hingegen sind Tochtergeschwülste anderer Tumoren (z.B. Darm-, Brust- oder Lungenkrebs), die in die Leber gestreut haben. Beide Erkrankungen unterscheiden sich grundlegend in Diagnose, Therapie und Prognose. Das HCC tritt fast immer im Zusammenhang mit einer Lebervorerkrankung auf.
Bei der Leberzirrhose kommt es zu jahrelanger chronischer Entzündung, Zelluntergang und Regeneration. Dabei können genetische Veränderungen akkumulieren, die letztlich zur malignen Transformation führen. Außerdem schafft die narbige Umbaureaktion der Leber ein Mikromilieu, das die Tumorentstehung begünstigt. Aus diesem Grund werden Patienten mit Leberzirrhose regelmäßig untersucht (Screening).
Als Bridging bezeichnet man Therapiemaßnahmen, die das HCC während der Wartezeit auf ein Spenderorgan kontrollieren und verhindern, dass der Tumor die Transplantationskriterien überschreitet (z.B. Milan-Kriterien). Neben TACE (Transarterielle Chemoembolisation) und der thermischen Ablation ist die Radiochirurgie (CyberKnife) eine etablierte Bridging-Option mit hohen lokalen Kontrollraten und guter Verträglichkeit.
Die Radiochirurgie des HCC ist ambulant und erfordert in der Regel keine längeren körperlichen Einschränkungen. Nach der Behandlung sind regelmäßige Bildgebungskontrollen (MRT oder CT) und AFP-Verlaufskontrollen notwendig, da das Tumorgewebe sich über Monate reorganisiert. Eine vorübergehende Zunahme im Bild (Pseudoprogression) ist möglich und darf nicht mit Tumorwachstum verwechselt werden. Alle Kontrollintervalle werden individuell mit dem behandelnden Arzt abgestimmt.
Ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) kann durch Blutwerte allein nicht sicher erkannt oder ausgeschlossen werden. Der wichtigste Tumormarker ist das Alpha-Fetoprotein (AFP), das bei HCC erhöht sein kann, aber nicht immer erhöht ist.
Zusätzlich können Leberwerte wie AST, ALT, γ-GT, AP und Bilirubin auffällig sein, sie sind jedoch nicht spezifisch für Krebs.
Bei fortgeschrittener Erkrankung können auch Zeichen einer eingeschränkten Lebersynthesefunktion auftreten. Die endgültige Diagnose erfolgt vor allem durch Bildgebung (Ultraschall, CT, MRT) und gegebenenfalls einer Biopsie.
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