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Lebermetastasen

Lebermetastasen sind sekundäre Lebertumoren, die durch Absiedlung von Krebszellen aus einem anderen Primärtumor in die Leber entstehen. Sie sind deutlich häufiger als primäre Lebertumoren und machen den größten Anteil maligner Leberläsionen aus. Die Leber ist aufgrund ihrer zentralen Rolle im Blutkreislauf (Pfortadersystem) ein bevorzugter Ort der Metastasierung. Je nach Primärtumor und Ausbreitung kann die Erkrankung kurativ oder langfristig kontrollierbar sein – insbesondere im Rahmen einer oligometastatischen Situation (wenige, begrenzte Metastasen).

  • Kolorektales Karzinom: Häufigste Ursache aller Lebermetastasen; oft resektabel; kuratives Potenzial bei isolierten Metastasen
  • Mammakarzinom: Häufig; oft multiple Metastasen; systemische Therapie im Vordergrund
  • Magenkarzinom/ Ösophaguskarzinom: Häufig; meist im Rahmen einer fortgeschrittener Erkrankung
  • Pankreaskarzinom: Häufig; frühe Metastasierung; insgesamt schlechte Prognose
  • Neuroendokrine Tumore: Häufig; oft langsam wachsend; Therapie sinnvoll
  • Bronchialkarzinom: Häufig; hämatogene Streuung; oft Teil einer Mehrorganmetastasierung
  • Melanom: Selten; häufig ungünstige Prognose; nur bei gutem Systemtherapieansprechen wird lokal behandelt
  • Nierenzellkarzinom: Selten; CyberKnife wirksam bei oligometastatischem Verlauf

Beim kolorektalen Karzinom gelten Lebermetastasen als potenziell kurabel, wenn sie vollständig reseziert oder lokal abladiert werden können. Auch nach Resektion verbliebener Tumoranteile kann die Radiochirurgie zur Konsolidierung eingesetzt werden.

Symptome und deren Entstehung

Lebermetastasen bleiben oft lange asymptomatisch und werden durch Bildgebung im Rahmen der Tumornachsorge entdeckt. Symptome entstehen bei zunehmendem Tumorvolumen oder Beeinträchtigung der Leberfunktion.

Lokale Beschwerden

  • Rechtsseitiger Oberbauchschmerz oder Druckgefühl – durch Kapselspannung der Leber
  • Tastbare Vergrößerung der Leber (Hepatomegalie) bei ausgedehntem Befall
  • Appetitlosigkeit und frühzeitiges Sättigungsgefühl durch Lebervergrößerung und Druck auf den Magen

Zeichen der Leberfunktionsstörung

  • Ikterus (Gelbsucht) – bei Gallengangskompression oder ausgedehntem Leberparenchymbefall
  • Aszites (Bauchwassersucht) – bei portaler Hypertension oder Peritonealmetastasierung
  • Gerinnungsstörungen – bei deutlicher Einschränkung der Leberfunktion

Allgemeinsymptome

  • Ungewollter Gewichtsverlust, Fatigue, Leistungsabfall
  • Nachtschweiß, intermittierendes Fieber (v. a. bei nekrotischen Metastasen)
  • Erhöhte Leberwerte (GOT, GPT, GGT, AP) – oft erster Laborhinweis

Neuroendokrine Metastasen

Lebermetastasen neuroendokriner Tumoren (NET) können durch unkontrollierte Hormonsekretion ein Karzinoidsyndrom auslösen- anfallsartige Hautrötung (Flush), wässrige Durchfälle, Bronchospasmus und kardialer Befall (Hedinger-Syndrom).


Diagnose

Die Diagnose und genaue Charakterisierung von Lebermetastasen ist Grundlage jeder Therapieplanung. Ziel ist die Beurteilung von Anzahl, Größe, Lokalisation und Beziehung zu Gefäßen sowie Gallengängen.

  • Lebersonographie: Schnelle Screeningmethode; empfindlich für Metastasen > 1 cm; erste Bildgebung bei erhöhten Leberwerten.
  • CT-Abdomen mit Kontrastmittel: Standardmethode für Staging und Therapieplanung; beurteilt Anzahl, Größe, Gefäßbezug und extrahepatische Ausbreitung.
  • MRT der Leber mit hepatozytenspezifischem Kontrastmittel: Höchste Sensitivität für kleine Metastasen (< 1 cm); besonders wichtig vor operativer oder ablativer Therapie.
  • PET-CT: Ganzkörper-Staging bei unklarer Primärtumorsuche oder zur Beurteilung weiterer Metastasenmanifestationen.
  • Tumormarker: CEA und CA 19-9 (kolorektales Karzinom/ Pankreaskarzinom), AFP (HCC-Abgrenzung), Chromogranin A (NET).
  • Leberbiopsie: Bei unbekanntem Primärtumor oder zur Molekularpathologie für systemische Therapieentscheidungen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapie von Lebermetastasen ist multimodal. Entscheidend sind Primärtumor, Anzahl und Lage der Metastasen, Leberfunktion sowie der Allgemeinzustand des Patienten. Die Therapieentscheidung wird interdisziplinär im Tumorboard getroffen.

Systemische Therapie

  • Chemotherapie, zielgerichtete Therapie oder Immuntherapie – unterschiedlich je nach Primärtumor
  • Ist meist Grundlage der Gesamtbehandlung
  • Ist oft eine Kombination von systemischer und Lokaltherapie (vor allem bei Oligometastasierung sinnvoll)

Chirurgische Resektion

  • Goldstandard bei resektablen Lebermetastasen eines Koloncarzinoms
  • Kuratives Potenzial bei vollständiger R0-Resektion
  • Voraussetzung ist das ausreichend verbleibende Lebervolumen
  • Ggf. Zwei-Schritt-Resektion oder portalvenöse Embolisation

Thermische Ablation

  • Radiofrequenz- (RFA) oder Mikrowellenablation (MWA)
  • Standard für Metastasen ≤ 3 cm in günstiger Lage
  • Perkutanes Vorgehen, laparoskopisch oder offen
  • Ist auch kombinierbar mit Resektion (Hybrideingriffe)
TACE (=Transarterielle Chemoembolisation)
  • Transarterielles Katheterverfahren bei multiplen, nicht resektablen Metastasen, um Chemotherapeutika direkt in die die Metastasen versorgenden Gefäße einzubringen. Anschließend werden die Gefäße teilweise verschlossen (Embolisation), sodass die Tumoren schlechter durchblutet werden und das Tumorwachstum so verlangsamt wird.
TARE (=Transarterielle Radioembolisation)
  • Statt Chemotherapie werden winzige Mikrosphären mit dem radioaktiven Isotop Yttrium-90 (Y-90) eingebracht. Diese lagern sich bevorzugt in den Tumorgefäßen an und bestrahlen die Metastasen von innen.
  • Für Lebermetastasen von NETs ist die Wirksamkeit in Studien gut belegt.
  • Palliativ oder als Downstaging vor OP/Ablation

Radiochirurgie

  • Hochpräzise Bestrahlung mit dem CyberKnife
  • Bei inoperablen oder nicht abladierbaren Metastasen
  • Kurativer Ansatz bei Oligometastasierung
  • Ambulant und ohne Narkose
  • Echtzeit Atemkompensation

CyberKnife

Die stereotaktische Körperradiochirurgie (SBRT) hat sich bei der Behandlung von Lebermetastasen als hochwirksame und sichere Methode etabliert. Mittels CyberKnife werden sehr hohe Strahlendosen millimetergenau auf jede einzelne Metastase appliziert – bei maximaler Schonung des gesunden Lebergewebes, der Gallenwege und benachbarter Organe.

Sinnvoll bei:

  • Inoperablen Metastasen- wenn eine chirurgische Resektion aufgrund von Lage, Anzahl oder Allgemeinzustand nicht möglich ist
  • Nicht durchführbarer Ablation – perivaskuläre oder subkapsuläre Lage, Metastasen > 3–4 cm oder nach erfolgloser Ablation
  • Oligometastasierung (1–5 Metastasen) – kurativ intendierte SBRT mit dem Ziel langfristiger Remission oder Heilung
  • Stabilisierung unter Systemtherapie – lokale Kontrolle einzelner progredienter Herde (Oligoprogression), um die wirksame Systemtherapie fortzuführen
  • Bridging/ Downstaging – Verkleinerung von Metastasen zur Vorbereitung auf eine spätere Resektion oder Ablation
  • Neuroendokrine Tumormetastasen – langfristige lokale Kontrolle bei langsam wachsenden NET-Metastasen
  • Rezidiv nach Ablation oder Resektion – Re-Behandlung im zuvor therapierten Bereich.


Ein zentraler Vorteil des CyberKnife-Systems bei Lebertumoren ist die Echtzeit-Atemkompensation – die Leber bewegt sich atemabhängig um bis zu 2–3 cm. Das CyberKnife verfolgt diese Bewegung kontinuierlich und richtet die Strahlung ohne Unterbrechung präzise auf die Metastase – der Patient kann normal weiteratmen.

Aktuelle Studien zeigen für die SBRT von Lebermetastasen lokale Kontrollraten von 70–90 % nach 2 Jahren – vergleichbar mit einer Ablation oder chirurgischen Resektion bei geeigneter Patientenselektion.

Die Behandlung erfolgt in 3–6 Sitzungen, ist ambulant und erfordert keine Narkose. Auch mehrere Metastasen können in einer Behandlungsserie behandelt werden.

Im Europäischen Radiochirurgie Centrum München behandeln wir seit mehr als 20 Jahren Patienten mit Lebermetastasen verschiedenster Primärtumoren. Die Behandlung wird individuell in enger Abstimmung mit der behandelnden Onkologie und Chirurgie geplant.

Behandlungsanfragen

Komplexer gewordene Therapiemöglichkeiten bedeuten, dass die Entscheidung für eine Therapie immer mit Blick auch auf Ihre individuelle Lebenssituation erfolgen sollte. Uns ist es wichtig, dass Sie sowie Ihre Angehörigen und Nächsten, die Sie unterstützen und begleiten, alle Aspekte rund um Ihre Erkrankung und deren Therapieoptionen gut verstehen und einordnen können.

Wir begleiten Sie gemeinsam mit unseren medizinischen Partnern auf diesem Weg und sorgen mit unserem Team dafür, dass Sie sich von Anbeginn im ERCM gut aufgehoben fühlen.

Für Behandlungsanfragen bitten wir Sie, das Kontaktformular zu verwenden. Sie erreichen uns außerdem telefonisch während unserer Öffnungszeiten oder auch über unsere Social Media Kanäle.

Ihre Anfrage wird individuell und schnell bearbeitet.

Häufige Fragen

Lebermetastasen entstehen durch Absiedlung von Krebszellen aus einem anderen Tumor – z. B. Darm-, Brust- oder Lungenkrebs.

Ein primärer Lebertumor (z. B. ein hepatozelluläres Karzinom/ HCC) entsteht hingegen aus den Leberzellen selbst, oft auf dem Boden einer Leberzirrhose. Beide Erkrankungen unterscheiden sich grundlegend in Therapie, Prognose und Behandlungsplanung.


Insbesondere beim kolorektalen Karzinom können isolierte Lebermetastasen durch vollständige Resektion, Ablation oder Radiochirurgie bei einem Teil der Patienten dauerhaft kontrolliert oder geheilt werden. Auch bei anderen Primärtumoren kann die oligometastatische Situation kurativ angegangen werden.

In vielen Fällen ja, allerdings ist ein zeitlicher Abstand zur Chemotherapie in der Regel sinnvoll, um Nebenwirkungen zu minimieren. Die genaue Abstimmung erfolgt individuell mit der behandelnden Onkologie. Targeted Therapies und Immuntherapien werden oft parallel fortgeführt.

Ja. Die CyberKnifetherapie kann auch bei Rezidiven nach Operation oder Ablation eingesetzt werden. Sie ist außerdem gut mit systemischen Therapien kombinierbar. Vorangegangene Leberbestrahlungen schränken die Möglichkeiten ein, können aber je nach Dosis und Lage erneut in Betracht gezogen werden.

Grundsätzlich kann die SBRT bei einer oligometastatischen Situation – typischerweise 1–5 Metastasen – eingesetzt werden. Bei mehreren Läsionen können diese in einer oder mehreren Behandlungsserien bestrahlt werden. Die Entscheidung hängt von Gesamtvolumen der Metastasen, verbleibendem gesunden Lebervolumen und Leberfunktion ab.

[1] Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut, Berlin; Stand 07.12.2023: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Leberkrebs/leberkrebs_node.html#:~:text=Leberkrebs%20ist%20zwar%20relativ%20selten,und%20M%C3%A4nnern%20um%2017%20Prozent. [letzter Zugriff: 01.12.2024]
https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Leberkrebs/leberkrebs_node.html

[2] Robert Koch-Institut (Hrsg.) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (Hrsg.), Krebs in Deutschland für 2019/2020 (14. Ausgabe). Berlin 2023; ISBN 978-3-89606-323-6.
https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_node.html

[3] Gairing, S. J., Müller, L., Penzkofer, L., Stoehr, F., Michel, M. et al., Diagnostik und Therapie des primären Leberzellkarzinoms, Gastroenterologie 2022;17:403-412.
https://doi.org/10.1007/s11377-022-00636-5

[4] Schreiner, P., Pfisterer, D., Krögerxis, A., Continuing Medical Education: Neu diagnostizierte Leberzirrhose, Teil 1, Hogrefe Praxis 2016;105(8):429-434.
https://doi.org/10.1024/1661-8157/a002317

[5] Ihnát, P., Skácelíková, E., Tesař, M., Penka, I., Stereotactic body radiotherapy using the Cyberknife system in the treatment of patients with liver metastases: state of the art, Onco Targets Ther. 2018;11:4685-4691.
https://doi.org/10.2147/OTT.S165878

[6] Rentsch, M., Runge, M., Thomas, M., Drefs, M., Andrassy, J., et al., Cyberknife Radiochirurgie als potenzielle Bridging-Strategie zur Lebertransplantation für Patienten mit hepatozellulärem Karzinom und Leberzirrhose, Z Gastroenterol. 2014;52:KC076.
https://doi.org/10.1055/s-0034-1386378

[7] Drebber, U., Dries, V., Dienes, H. P., Kasper, H. U., Lebermetastasen. Inzidenz und Verteilung. Eine Untersuchung aus dem Leber-Register der Universität zu Köln, Z Gastroenterol. 2005;43:P377.
https://doi.org/10.1055/s-2005-920160

[8] Kniepeiss, D., Talakić, E., Schemmer, P., Interventionelle und chirurgische Therapie non-kolorektaler Lebermetastasen, Tumor Diagn u Ther. 2021;42:585-597.
https://doi.org/10.1055/a-1557-7043

[9] Stintzing, S., von Einem, J., Fueweger, C., Haidenberger, A., Fedorov, M., Muacevic, A., Long-term Survival in Patients Treated with a Robotic Radiosurgical Device for Liver Metastases, Cancer Res Treat. 2018;51(1):187-193.
https://doi.org/10.4143/crt.2017.594

[10] Jiang, C., Jing, S., Zhou, H., Li, A., Qiu, X., et al., Efficacy and Prognostic Factors of Trans-Arterial Chemoembolization Combined With Stereotactic Body Radiation Therapy for BCLC Stage B Hepatocellular Carcinoma, Front. Oncol. 2021;11:640461.
https://doi.org/10.3389/fonc.2021.640461

[11] Schoenberg, M., Khandoga, A., Stintzing, S., Trumm, C., Schiergens, T. S., et al., Cyberknife Radiosurgery – Value as an Adjunct to Surgical Treatment of HCC? Cureus. 2016;8(4):e591.
https://doi.org/10.7759/cureus.591

[12] Stintzing, S., Hoffmann, R. T., Heinemann, V., Kufeld, M., Rentsch, M., Muacevic, A., Radiosurgery of liver tumors: value of robotic radiosurgical device to treat liver tumors, Ann Surg Oncol. 2010;17(11):2877-2883.
https://doi.org/10.1245/s10434-010-1187-9