Das Bronchialkarzinom ist ein bösartiger Tumor, der von den Schleimhautzellen der Atemwege (Bronchien) ausgeht. Es ist die häufigste Krebstodesursache weltweit und in Deutschland die dritthäufigste Krebsneuerkrankung. Jährlich erkranken hierzulande etwa 57.000 Menschen neu, Männer und Frauen nahezu gleich häufig.
Rund 70 % aller Bronchialkarzinome werden erst in einem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium (III–IV) diagnostiziert, da Frühstadien häufig symptomlos bleiben. Ein strukturiertes Lungenkrebs-Screening mittels Niedrigdosis-CT ist für Hochrisikopersonen (starke Raucher, 50–75 Jahre) mittlerweile in den S3-Leitlinien empfohlen.
Man unterscheidet zwei Hauptgruppen, die sich in Biologie, Verlauf und Therapie erheblich unterscheiden.
Das kleinzellige Bronchialkarzinom wächst sehr schnell, neigt früh zu Metastasen und ist nahezu ausschließlich mit intensivem Rauchen assoziiert. Es spricht initial gut auf Chemotherapie und Bestrahlung an, rezidiviert aber häufig. Die prophylaktische Schädelbestrahlung oder Surveillance-MRT spielt bei diesem Subtyp eine wichtige Rolle.
Frühstadien des Bronchialkarzinoms sind häufig asymptomatisch und werden zufällig bei der Bildgebung entdeckt. Mit zunehmendem Tumorwachstum entstehen Beschwerden.
Bei Verdacht auf ein Bronchialkarzinom erfolgt eine stufenweise Diagnostik zur Sicherung der Diagnose, Bestimmung des Tumortyps und der molekularen Merkmale sowie zur genauen Stadienbestimmung.
Die Therapie des Bronchialkarzinoms ist multimodal und wird interdisziplinär im Tumorboard festgelegt. Sie richtet sich nach Histologie, molekularen Markern, Stadium, Allgemeinzustand und Lungenfunktion des Patienten.
Die stereotaktische Körperradiochirurgie (SBRT/SABR – Stereotactic Body Radiotherapy/ Stereotactic Ablative Radiotherapy) hat die Behandlung des Bronchialkarzinoms grundlegend verändert. Mit dem CyberKnife können sehr hohe, biologisch wirksame Strahlendosen submillimetergenau auf den Tumor fokussiert werden – bei maximaler Schonung von Lunge, Herz, Ösophagus und Rückenmark.
Die Behandlung erfolgt in der Regel in 1–5 Sitzungen, ist ambulant und erfordert keine Narkose. Das CyberKnife-System gleicht Atembewegungen der Lunge in Echtzeit aus (Respiratory Tracking), wodurch die Bestrahlung dem Tumor während der gesamten Behandlung präzise folgt – ein entscheidender Vorteil gegenüber konventioneller Bestrahlung bei Lungentumoren.
Im Europäischen Radiochirurgie Centrum München behandeln wir seit mehr als 20 Jahren Patienten mit Bronchialkarzinomen und pulmonalen Metastasen. Jede Behandlung wird individuell geplant – in enger Abstimmung mit der behandelnden Pneumologie, Onkologie und Thoraxchirurgie.
Bei Tumoren, die sich durch die Atmung bewegen (z. B. in der Lunge, Leber oder im oberen Bauchraum), nutzt das CyberKnife-System eine Technik namens Synchrony:
Infrarot-LEDs oder reflektierende Marker werden auf der Brust oder dem Bauch des Patienten befestigt. Eine Infrarotkamera im Behandlungsraum verfolgt kontinuierlich die Bewegung dieser Marker. Gleichzeitig erfassen wiederholte Röntgenaufnahmen die tatsächliche Position des Tumors oder von implantierten Markern (Fiducials) im Körper. Das System erstellt daraus ein Modell, das die äußere Atembewegung mit der inneren Tumorbewegung verknüpft. Der Roboterarm bewegt den Linearbeschleuniger in Echtzeit nach, sodass der Strahl den Tumor trotz der Atmung präzise trifft.
Uns ist es wichtig, dass Sie sowie Ihre Angehörigen und Nächsten alle Aspekte rund um Ihre Erkrankung und deren Therapieoptionen gut verstehen und einordnen können. Wir begleiten Sie gemeinsam mit unseren medizinischen Partnern auf diesem Weg und sorgen mit unserem Team dafür, dass Sie sich von Anbeginn im ERCM gut aufgehoben fühlen.
Für Behandlungsanfragen bitten wir Sie, das Kontaktformular zu verwenden. Sie erreichen uns außerdem telefonisch während unserer Öffnungszeiten oder über unsere Social Media Kanäle.
Ihre Anfrage wird individuell und schnell bearbeitet.
Das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom (NSCLC) macht etwa 80–85 % aller Lungenkrebsfälle aus und wächst in der Regel langsamer als das kleinzellige Karzinom (SCLC). Das NSCLC umfasst Adenokarzinom, Plattenepithelkarzinom und großzelliges Karzinom. Das SCLC (15–20 %) wächst sehr schnell, metastasiert früh und ist fast immer mit Rauchen assoziiert. Beide Typen unterscheiden sich erheblich in Therapieansatz und Prognose.
Im Stadium I ist die Prognose mit 5-Jahres-Überlebensraten von 60–90 % gut – sowohl nach chirurgischer Resektion als auch nach stereotaktischer Radiochirurgie (SBRT). Der Schlüssel liegt in der frühzeitigen Diagnose. Für Hochrisikopersonen (starke Raucher, 50–75 Jahre) wird deshalb das Niedrigdosis-CT-Screening als Vorsorgemaßnahme empfohlen.
Die CyberKnifebehandlung ist eine kurativ intendierte Alternative zur Operation, insbesondere wenn:
Aktuelle Studien zeigen vergleichbare lokale Kontrollraten von Operation und SBRT beim frühen NSCLC.
Lungentumoren bewegen sich mit der Atmung – je nach Lokalisation um mehrere Zentimeter. Das CyberKnife-System verfolgt diese Bewegung in Echtzeit über Infrarot-Marker an der Brust und passt die Strahlenrichtung kontinuierlich an (Synchrony Respiratory Tracking). Dadurch kann der Patient normal atmen, und der Tumor wird trotzdem präzise getroffen – ohne eine große Sicherheitszone um den Tumor legen zu müssen, die gesundes Lungengewebe belasten würde.
Die Radiochirurgie ist ambulant und erfordert in der Regel keine körperlichen Einschränkungen im Alltag. Nach der Behandlung von Lungentumoren sind regelmäßige CT-Kontrollen zur Beurteilung des Ansprechens notwendig. Es kann zunächst zu einer Verdichtung im bestrahlten Bereich kommen (Strahlenpneumonitis), die sich meist von selbst zurückbildet. Alle Verlaufskontrollen werden individuell mit dem behandelnden Arzt abgestimmt.
[1] Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF Leitlinienprogramm Onkologie, Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms, Langversion Version 3.0, 2024, AWMF Registernummer: 020/007 OL; https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/lungenkarzinom/; [letzter Zugriff: 15.12.2024].
https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/lungenkarzinom/
[2] Niehoff, J., Diederich, S., Höink, A., Staging des Lungenkarzinoms nach der revidierten TNM-Klassifikation, Radiol. up2date 2017;17:347-359.
https://doi.org/10.1055/s-0043-119186
[3] Hoch, K., Lungenkarzinom, Radiopraxis 2017;10:47-55.
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0043-101575.pdf
[4] Hoffmann, R. T., Jakobs, T. F., Muacevic, A., Trumm, C., Helmberger, T. K., et al., Interventional oncology for lung tumors, Radiologe. 2007;47(12):1109-1116.
https://doi.org/10.1007/s00117-007-1571-z
[5] ONKO-Internetportal Berlin in Kooperation mit der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. online, Lungenkrebs, Bronchialkarzinom: Definition und Häufigkeit: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/definition/lunge-seite-1.html; [letzter Zugriff: 15.12.2024].
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/definition/lunge-seite-1.html
[6] Krämer, S., Bläker, H., Denecke, T., Nicolay, N., von Laffert, M., et al., Lungenmetastasen: Onkologische Bedeutung und Therapie, Onkologie. 2023;29(3):202-212., S., Bläker, H., Denecke, T., Nicolay, N., von Laffert, M., et al., Lungenmetastasen: Onkologische Bedeutung und Therapie, Onkologie. 2023;29(3):202-212.
https://doi.org/10.1007/s00761-023-01303-2
[7] Nishino, M., Hatabu, H., Johnson, B. E., McLoud, T. C., State of the art: response assessment in lung cancer in the era of genomic medicine, Radiology 2014;271:6-27.
https://doi.org/10.1148/radiol.14122524
[8] ONKO-Internetportal Berlin in Kooperation mit der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. online, Genetik verbessert Verständnis von Lungenkrebs: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/lungenkrebs/genetik-verbessert-verstaendnis-von-lungenkrebs.html; [letzter Zugriff: 15.12.2024].
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/lungenkrebs/genetik-verbessert-verstaendnis-von-lungenkrebs.html
[9] Von Einem, J. C., Stinzing, S., Modest, D. P., Wiedemann, M., Fürweger, C., et al., Frameless Single Robotic Radiosurgery for Pulmonary Metastases in Colorectal Cancer Patients, Cureus 2020;12(3):e7305.
https://doi.org/10.7759/cureus.7305
[10] Muacevic, A., Drexler, C., Wowra, B., Schweikard, A., Schlaefer, A., et al., Technical description, phantom accuracy and clinical feasibility for single-session lung, radiosurgery using robotic image-guided real-time respiratory tumor tracking, Technol Cancer Res Treat. 2007;6(4):321-328.
https://doi.org/10.1177/153303460700600409
[11] Yan, M., Louie, A. V., Kotecha, R., Ahmed, A., Zhang, Z., Stereotactic body radiotherapy for Ultra-Central lung Tumors: A systematic review and Meta-Analysis and International Stereotactic Radiosurgery Society practice guidelines, Lung Cancer 2023;182:107281.
https://doi.org/10.1016/j.lungcan.2023.107281
[12] Oudin, V., Salleron, J., Marchesi, V., Peiffert, D., Khadige, M., et al., Cyberknife stereotaktische Strahlentherapie für Lungenkrebs im Stadium I und pulmonale Oligometastasen: Ist die Fiducial Implantation noch relevant? – eine Kohortenstudie. J Thorac Dis. 2023;15(9):4636-4647.
https://doi.org/10.21037/jtd-22-1245
[13] Davis, J. N., Medbery, C., Sharma, S., Pablo, J., Kimsey, F., et al., Stereotactic body radiotherapy for centrally located early-stage non-small cell lung cancer or lung metastases from the RSSearch patient registry, Radiat Oncol. 2015;15:10:113.
https://doi.org/10.1186/s13014-015-0417-5
[14] Trumm, C. G., Häußler, S. M., Muacevic, A., Jakobs, T. F., Reiser, M. F., et al., CT Fluoroscopy–Guided Percutaneous Fiducial Marker Placement for Cyberknife Stereotactic Radiosurgery: Technical Results and Complications in 222 Consecutive Procedures, J Vasc Interv Radiol. 2014;25(5):760-768.
https://doi.org/10.1016/j.jvir.2014.01.004
[15] Rentsch, M., Winter, H., Bruns, C. J., Stinzing, S., Angele, M. K., et al., Cyberknife surgery with a radio-scalpel: a new treatment option for patients with unresectable metastases, Zentralbl Chir. 2010;135(2):175-180.
https://doi.org/10.1055/s-0030-1247286