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Bronchialkarzinom

Das Bronchialkarzinom ist ein bösartiger Tumor, der von den Schleimhautzellen der Atemwege (Bronchien) ausgeht. Es ist die häufigste Krebstodesursache weltweit und in Deutschland die dritthäufigste Krebsneuerkrankung. Jährlich erkranken hierzulande etwa 57.000 Menschen neu, Männer und Frauen nahezu gleich häufig.

Rund 70 % aller Bronchialkarzinome werden erst in einem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium (III–IV) diagnostiziert, da Frühstadien häufig symptomlos bleiben. Ein strukturiertes Lungenkrebs-Screening mittels Niedrigdosis-CT ist für Hochrisikopersonen (starke Raucher, 50–75 Jahre) mittlerweile in den S3-Leitlinien empfohlen.

Man unterscheidet zwei Hauptgruppen, die sich in Biologie, Verlauf und Therapie erheblich unterscheiden.

Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom (NSCLC) 80–85 %
  • Adenokarzinom (40 %): Häufigster Typ, oft peripher gelegen; häufig EGFR-, ALK-, ROS1-Mutationen
  • Plattenepithelkarzinom (25–30 %): Meist zentral/ hilär; eng mit Rauchen assoziiert
  • Großzelliges Karzinom (10 %): Oft peripher; aggressive Biologie
Kleinzelliges Bronchialkarzinom (SCLC) 15–20 %

Das kleinzellige Bronchialkarzinom wächst sehr schnell, neigt früh zu Metastasen und ist nahezu ausschließlich mit intensivem Rauchen assoziiert. Es spricht initial gut auf Chemotherapie und Bestrahlung an, rezidiviert aber häufig. Die prophylaktische Schädelbestrahlung oder Surveillance-MRT spielt bei diesem Subtyp eine wichtige Rolle.

Risikofaktoren

  • Rauchen: Ursache für ca. 85 % aller Bronchialkarzinome; Passivrauchen erhöht das Risiko ebenfalls
  • Radon: Natürliches radioaktives Edelgas in Gebäuden; zweithäufigste Ursache
  • Asbest, Chrom, Nickel, Arsen: Berufsbedingte Expositionen
  • Luftverschmutzung: Feinstaub (PM 2,5) als anerkannter Risikofaktor
  • Genetische Prädisposition: Familiäre Häufung; seltene Keimbahnmutationen
  • Vorerkrankungen: Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Lungenfibrose

Symptome und deren Entstehung

Frühstadien des Bronchialkarzinoms sind häufig asymptomatisch und werden zufällig bei der Bildgebung entdeckt. Mit zunehmendem Tumorwachstum entstehen Beschwerden.

Pulmonale Symptome

  • Chronischer oder sich verändernder Husten– häufig erstes Zeichen eines Bronchialkarzinoms – von Rauchern oft als „Raucherhusten" fehlgedeutet
  • Hämoptysen (Bluthusten) – durch Tumoreinbruch in Gefäße; auch kleine Mengen sind abklärungspflichtig
  • Dyspnoe (Luftnot) – durch Atelektasen, Pleuraerguss oder Einengung der Atemwege
  • Rezidivierende Pneumonien an gleicher Lokalisation – durch Obstruktion eines Bronchus
  • Giemen und Stridor – bei zentraler Atemwegsobstruktion

Symptome durch lokales Tumorwachstum

  • Thoraxschmerz bei Pleura- oder Brustwandinvasion
  • Heiserkeit – durch Kompression oder Infiltration des Nervus recurrens (linksseitig häufiger)
  • Vena-cava-superior-Syndrom – Stauung der oberen Körperhälfte (Gesichtsschwellung, gestaute Halsvenen) durch Kompression der V. cava
  • Pancoast-Tumor – Tumor der Lungenspitze mit Schmerzen in Schulter und Arm, Horner-Syndrom (Ptosis, Miosis, Enophthalmus) durch Infiltration des Plexus brachialis und des Grenzstrangs
  • Schluckbeschwerden – bei mediastinaler Ausbreitung mit Ösophaguskompression

Paraneoplastische Syndrome

  • Hypertrophe pulmonale Osteoarthropathie: Trommelschlägelfinger, Uhrglasnägel
  • SIADH: Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion
  • Hyponatriämie: Typisch beim kleinzelligen Karzinom
  • Cushing-Syndrom: Durch ektope ACTH-Produktion
  • Lambert-Eaton-Syndrom: Neuromuskuläre Übertragungsstörung
  • Hyperkalzämie: Durch PTHrP-Sekretion

Symptome durch Metastasen

  • Hirnmetastasen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Krampfanfälle, neurologische Ausfälle
  • Knochenmetastasen: Knochenschmerzen, pathologische Frakturen, Hyperkalzämie
  • Lebermetastasen: Rechtsseitige Oberbauchbeschwerden, Ikterus
  • Nebennierenmetastasen: Meist asymptomatisch; selten Nebenniereninsuffizienz

Diagnose

Bei Verdacht auf ein Bronchialkarzinom erfolgt eine stufenweise Diagnostik zur Sicherung der Diagnose, Bestimmung des Tumortyps und der molekularen Merkmale sowie zur genauen Stadienbestimmung.

  • Röntgen-Thorax: Häufig erste Bildgebung; kann Rundherd, Atelektase oder Pleuraerguss zeigen.
  • CT-Thorax/Abdomen mit Kontrastmittel: Standarduntersuchung zur Beurteilung von Tumorgröße, Lokalisation, mediastinalen Lymphknoten und abdominellen Metastasen.
  • PET-CT: Ganzkörper-Staging zur Darstellung metabolisch aktiver Tumormanifestationen; entscheidend für die Operationsplanung und Strahlentherapieplanung.
  • MRT des Schädels: Zum Ausschluss von Hirnmetastasen – obligat bei NSCLC ab Stadium III und beim kleinzelligen Karzinom.
  • Bronchoskopie mit Biopsie: Gewebeentnahme bei zentralen Tumoren; ggf. endobronchialer Ultraschall (EBUS) zur Lymphknotendiagnostik.
  • CT-gesteuerte Punktion: Bei peripheren Rundherden ohne bronchoskopischen Zugang.
  • Molekularpathologie: Unabdingbar beim NSCLC für die Therapieplanung – Testung auf EGFR, ALK, ROS1, KRAS, MET, BRAF, PD-L1-Expression, NTRK u. a.
  • Lungenfunktion (Spirometrie, Diffusionskapazität): Zur Operabilitäts- und Strahlentherapieverträglichkeitsbeurteilung.
  • Labor: Blutbild, Leber- und Nierenwerte, LDH, Calcium, NSE (kleinzelliges Karzinom).

Staging

Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom (NSCLC)
  • I – Tumor auf Lunge begrenzt, keine Lymphknoten
  • II – Ipsilaterale hiläre Lymphknoten oder lokale Invasion
  • III – Mediastinale Lymphknoten oder Nachbarorganbefall
  • IV – Fernmetastasen (Oligometastasen/ multiple Metastasen)
Kleinzelliges Bronchialkarzinom (SCLC)
  • Limited Disease (LD): Tumor auf einen Hemithorax und regionäre Lymphknoten begrenzt– kurative Therapieintention möglich
  • Extensive Disease (ED): Fernmetastasen oder bilateraler Befall– palliative Systemtherapie im Vordergrund

Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapie des Bronchialkarzinoms ist multimodal und wird interdisziplinär im Tumorboard festgelegt. Sie richtet sich nach Histologie, molekularen Markern, Stadium, Allgemeinzustand und Lungenfunktion des Patienten.

Chirurgische Resektion

  • Standard bei NSCLC im Stadium I–II und ausgewählten Stadium-III-Tumoren
  • Lobektomie (Goldstandard) oder anatomische Segmentresektion
  • Minimalinvasives (VATS= Video-Assisted Thoracic Surgery) oder offenes Vorgehen
  • Voraussetzung: ausreichende Lungenfunktion und Operabilität

Chemotherapie

  • Platinbasierte Kombinationsschemata (z. B. Carboplatin/Pemetrexed)
  • Adjuvant nach Operation im Stadium II–III
  • Neoadjuvant (präoperativ) bei lokal fortgeschrittenen Tumoren
  • Beim SCLC kombiniert mit Bestrahlung (LD= Limited Disease) oder als Mono/Kombi (ED= Extensive Disease)

Targeted Therapy

  • EGFR-Inhibitoren (Osimertinib, Erlotinib) bei EGFR-Mutation (Epidermal Growth Factor Receptor)
  • ALK (Anaplastic Lymphome Kinase)-/ROS1(ROS Proto-Oncogene 1)-Inhibitoren (Alectinib, Crizotinib) bei entsprechenden Fusionen
  • KRAS-G12C-Inhibitoren (Sotorasib, Adagrasib) – Bei einer KRAS-G12C-Mutation bleibt das Wachstumssignal für die Krebszelle ständig an, der Tumor kann somit unkontrolliert wachsen.
  • NTRK-, MET-, BRAF-Inhibitoren bei seltenen Treibermutationen beim NSCLC

Immuntherapie

  • PD-1 (= Bremse auf Immunzellen) und PD-L1 (= Proteine auf Tumorzellen, das die Bremse aktiviert). Immuntherapien blockieren diese Verbindung, damit das Immunsystem den Krebs wieder angreifen kann (Pembrolizumab, Atezolizumab, Nivolumab).
  • Erstlinientherapie bei hoher PD-L1-Expression (≥50 %) als Monotherapie
  • In Kombination mit Chemotherapie
  • Erhaltungstherapie nach Radiochemotherapie (Durvalumab)

Radiochemotherapie

  • Standard bei lokal fortgeschrittenem NSCLC Stadium III (inoperabel)
  • Kombinierte Radiochemotherapie mit kurativer Intention
  • Beim Limited-Disease SCLC
  • Thorakale Bestrahlung + Chemotherapie

Radiochirurgie

  • Nicht-invasive Hochpräzisionsbestrahlung (CyberKnife)
  • Frühstadien (I–II) bei inoperablen Patienten
  • Ambulant, keine Narkose erforderlich

CyberKnife

Die stereotaktische Körperradiochirurgie (SBRT/SABR – Stereotactic Body Radiotherapy/ Stereotactic Ablative Radiotherapy) hat die Behandlung des Bronchialkarzinoms grundlegend verändert. Mit dem CyberKnife können sehr hohe, biologisch wirksame Strahlendosen submillimetergenau auf den Tumor fokussiert werden – bei maximaler Schonung von Lunge, Herz, Ösophagus und Rückenmark.

Indikationen
  • Frühstadium NSCLC (Stadium I–II, inoperabel: Kurativ SBRT als gleichwertige Alternative zur Chirurgie – lokale Kontrollraten von über 90 % nach 3 Jahren sind vergleichbar mit operativen Ergebnissen. Ideal für Patienten mit COPD, eingeschränkter Lungenfunktion oder erhöhtem kardiovaskulärem OP-Risiko.
  • Frühstadium NSCLC, operabel (Patientenwunsch): Für Patienten, die eine Operation ablehnen oder eine nicht-invasive Behandlung bevorzugen, ist SBRT eine evidenzbasierte Option.
  • Oligoprogression unter Systemtherapie: Gezielte Bestrahlung einzelner progredienter Läsionen, um einen Wechsel der wirksamen Systemtherapie hinauszuzögern.
  • Pancoast-Tumor: CyberKnife als Alternative oder Ergänzung zur Radiochemotherapie bei Tumoren der Lungenspitze.


Die Behandlung erfolgt in der Regel in 1–5 Sitzungen, ist ambulant und erfordert keine Narkose. Das CyberKnife-System gleicht Atembewegungen der Lunge in Echtzeit aus (Respiratory Tracking), wodurch die Bestrahlung dem Tumor während der gesamten Behandlung präzise folgt – ein entscheidender Vorteil gegenüber konventioneller Bestrahlung bei Lungentumoren.

Im Europäischen Radiochirurgie Centrum München behandeln wir seit mehr als 20 Jahren Patienten mit Bronchialkarzinomen und pulmonalen Metastasen. Jede Behandlung wird individuell geplant – in enger Abstimmung mit der behandelnden Pneumologie, Onkologie und Thoraxchirurgie.

Synchrony®-System
So funktioniert die Atemverfolgung

Bei Tumoren, die sich durch die Atmung bewegen (z. B. in der Lunge, Leber oder im oberen Bauchraum), nutzt das CyberKnife-System eine Technik namens Synchrony:

Infrarot-LEDs oder reflektierende Marker werden auf der Brust oder dem Bauch des Patienten befestigt. Eine Infrarotkamera im Behandlungsraum verfolgt kontinuierlich die Bewegung dieser Marker. Gleichzeitig erfassen wiederholte Röntgenaufnahmen die tatsächliche Position des Tumors oder von implantierten Markern (Fiducials) im Körper. Das System erstellt daraus ein Modell, das die äußere Atembewegung mit der inneren Tumorbewegung verknüpft. Der Roboterarm bewegt den Linearbeschleuniger in Echtzeit nach, sodass der Strahl den Tumor trotz der Atmung präzise trifft.

Synchrony System Cyberknife Atemverfolgung

9 Publikationen

Behandlungsanfragen

Uns ist es wichtig, dass Sie sowie Ihre Angehörigen und Nächsten alle Aspekte rund um Ihre Erkrankung und deren Therapieoptionen gut verstehen und einordnen können. Wir begleiten Sie gemeinsam mit unseren medizinischen Partnern auf diesem Weg und sorgen mit unserem Team dafür, dass Sie sich von Anbeginn im ERCM gut aufgehoben fühlen.

Für Behandlungsanfragen bitten wir Sie, das Kontaktformular zu verwenden. Sie erreichen uns außerdem telefonisch während unserer Öffnungszeiten oder über unsere Social Media Kanäle.

Ihre Anfrage wird individuell und schnell bearbeitet.

Häufige Fragen

Das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom (NSCLC) macht etwa 80–85 % aller Lungenkrebsfälle aus und wächst in der Regel langsamer als das kleinzellige Karzinom (SCLC). Das NSCLC umfasst Adenokarzinom, Plattenepithelkarzinom und großzelliges Karzinom. Das SCLC (15–20 %) wächst sehr schnell, metastasiert früh und ist fast immer mit Rauchen assoziiert. Beide Typen unterscheiden sich erheblich in Therapieansatz und Prognose.

Im Stadium I ist die Prognose mit 5-Jahres-Überlebensraten von 60–90 % gut – sowohl nach chirurgischer Resektion als auch nach stereotaktischer Radiochirurgie (SBRT). Der Schlüssel liegt in der frühzeitigen Diagnose. Für Hochrisikopersonen (starke Raucher, 50–75 Jahre) wird deshalb das Niedrigdosis-CT-Screening als Vorsorgemaßnahme empfohlen.


Die CyberKnifebehandlung ist eine kurativ intendierte Alternative zur Operation, insbesondere wenn:

  • Die Lungenfunktion oder der Allgemeinzustand eine Operation nicht erlaubt
  • Kardiovaskuläre Begleiterkrankungen das OP-Risiko erhöhen
  • Der Patient eine nicht-invasive Behandlung wünscht
  • Der Tumor ungünstig lokalisiert ist (z. B. zentral, nahe großer Gefäße)

Aktuelle Studien zeigen vergleichbare lokale Kontrollraten von Operation und SBRT beim frühen NSCLC.

Lungentumoren bewegen sich mit der Atmung – je nach Lokalisation um mehrere Zentimeter. Das CyberKnife-System verfolgt diese Bewegung in Echtzeit über Infrarot-Marker an der Brust und passt die Strahlenrichtung kontinuierlich an (Synchrony Respiratory Tracking). Dadurch kann der Patient normal atmen, und der Tumor wird trotzdem präzise getroffen – ohne eine große Sicherheitszone um den Tumor legen zu müssen, die gesundes Lungengewebe belasten würde.

Die Radiochirurgie ist ambulant und erfordert in der Regel keine körperlichen Einschränkungen im Alltag. Nach der Behandlung von Lungentumoren sind regelmäßige CT-Kontrollen zur Beurteilung des Ansprechens notwendig. Es kann zunächst zu einer Verdichtung im bestrahlten Bereich kommen (Strahlenpneumonitis), die sich meist von selbst zurückbildet. Alle Verlaufskontrollen werden individuell mit dem behandelnden Arzt abgestimmt.

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