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Lymphknotenmetastasen

Lymphknotenmetastasen entstehen, wenn Krebszellen aus dem Primärtumor in das Lymphsystem einbrechen und sich in regionären oder entfernten Lymphknoten ansiedeln. Die lymphogene Metastasierung ist der häufigste Ausbreitungsweg solider Tumoren und hat entscheidende prognostische und therapeutische Bedeutung. Lymphknotenmetastasen werden im TNM-System durch den N-Status beschrieben:

  • N0 – Kein Lymphknotenbefall
  • N1 – Regionäre Lymphknoten befallen
  • N2/N3 – Ausgedehnterer oder entfernterer Lymphknotenbefall

Darüber hinaus können Lymphknoten im Rahmen einer hämatogenen Fernmetastasierung betroffen sein (M1).

  • Zervikal (Hals): Kopf-Hals-Tumore, Schilddrüsenkarzinom, Mammakarzinom (oft tastbar; frühzeitig diagnostizierbar; häufig operabel)
  • Mediastinal: Bronchialkarzinom, Ösophaguskarzinom, Lymphome (Kompression von Trachea, V. cava, Ösophagus möglich)
  • Paraaortal / Retroperitoneal: Prostatakarzinom, Nierenzellkarzinom, Hodentumoren, kolorektales Karzinom (Oft asymptomatisch; lokoregionäre Kontrolle ist entscheidend für die Prognose)
  • Pelvin / Iliakal: Prostatakarzinom, Blasenkarzinom, Zervixkarzinom, Rektumkarzinom (Ureterobstruktion, Lymphödem der unteren Extremität möglich)
  • Inguinal (Leiste): Melanom, Analkarzinom, Genitaltumoren (Gut zugänglich; häufig biopsierbar)
  • Axillär (Achsel): Mammakarzinom, malignes Melanom (Sentinellymphknoten-Diagnostik etabliert; stadienentscheidend)
  • Supraklavikulär: Bronchialkarzinom, Mammakarzinom, Magenkarzinom (Virchow-Drüse) (Häufig Zeichen fortgeschrittener Erkrankung)
  • Mesenterial / Abdominal: Gastrointestinale Tumoren, Ovarialkarzinom, neuroendokrine Tumoren (Darmkompression, ggf. Ascites)


Symptome und deren Entstehung

Lymphknotenmetastasen sind häufig zunächst asymptomatisch und werden im Rahmen der strukturierten Tumornachsorge entdeckt. Klinische Beschwerden entstehen durch lokale Verdrängung oder Kompression benachbarter Strukturen – ihre Art richtet sich daher nach der betroffenen Lymphknotenstation.

Lokale Symptome nach Region

  • Zervikal: Tastbare, schmerzlose Schwellungen am Hals; Heiserkeit bei Kompression des N. recurrens; Schluckbeschwerden bei ösophagealer Verdrängung
  • Mediastinal: Obere Einflussstauung (geschwollene Halsvenen) bei Kompression der V. cava superior; Hustenreiz, Stridor, Dysphagie
  • Paraaortal/ Retroperitoneal: Dumpfe Rücken- oder Flankenschmerzen; Ureterobstruktion mit Hydronephrose; häufig lange asymptomatisch
  • Pelvin / Iliakal: Lymphödem der unteren Extremitäten; Ureter- oder Blasenkompression; Beinschmerzen, Taubheitsgefühl
  • Inguinal / Axillär: Sichtbare oder tastbare Verhärtungen; Lymphödem der Extremität bei ausgedehntem Befall

Allgemeinsymptome

  • Ungewollter Gewichtsverlust, Fatigue, Leistungsminderung (B-Symptomatik)
  • Nachtschweiß, Fieber unklarer Ursache
  • Schmerzen durch perineurale Infiltration benachbarter Nervenstränge

Das vollständige Fehlen von Beschwerden bei einem bildgebend nachgewiesenen Lymphknotenrezidiv ist häufig der Grund, warum Befunde erst spät erkannt werden. Regelmäßige Tumornachsorgeuntersuchungen sind daher entscheidend für die rechtzeitige Therapieeinleitung.

Diagnose

Die Diagnostik bei Verdacht auf Lymphknotenmetastasen zielt darauf ab, Lokalisation, Ausdehnung und Anzahl der befallenen Stationen exakt zu erfassen, den Primärtumor zu identifizieren sowie ggf. histologische Sicherung zu erhalten – dies ist die Grundlage jeder Therapieentscheidung.

  • PET-CT (FDG-PET): Goldstandard zur Ausdehungsdiagnostik; metabolisch aktive Lymphknotenmetastasen werden hoch sensitiv detektiert; essentiell vor kurativer Lokaltherapie zur Erfassung aller Tumormanifestationen
  • CT mit Kontrastmittel: Beurteilung von Größe, Morphologie und anatomischen Lagebeziehungen; Standardmethode für Staging und Therapieplanung
  • MRT: Ergänzend bei zervikalen, pelvinen und paraaortalen Stationen; besonders sensitiv für Weichteilinfiltration und perineurale Ausbreitung; MRT-Becken: für Prostatakarzinom-Rezidiv bevorzugt
  • Ultraschall (Sonographie): Erstuntersuchung oberflächlicher Lymphknotenstationen (zervikal, axillär, inguinal); Steuerung für Feinnadelbiopsien
  • Biopsie/ Feinnadelaspiration (FNAC): Histologische und molekularpathologische Sicherung bei unbekanntem Primärtumor (CUP-Syndrom) oder vor Therapieumstellung; Gewebsgewinnung für Rezeptoranalysen, Mutationsanalysen (z. B. PSMA-Expression, PD-L1, BRAF)
  • PSMA-PET-CT: Methode der Wahl bei biochemischem Rezidiv des Prostatakarzinoms; extrem sensitiv auch bei niedrigem PSA-Wert; zeigt Lymphknotenmetastasen früher als konventionelle Bildgebung
  • Tumormarker: zur Verlaufsbeurteilung und als Surrogatparameter – PSA (Prostatakarzinom), CEA (kolorektales Karzinom), CA15-3 (Mammakarzinom) und Thyreoglobulin (Schilddrüsenkarzinom)

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Lymphknotenmetastasen hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Art und dem Stadium des Primärtumors, dem Ausmaß des Lymphknotenbefalls und dem allgemeinen Gesundheitszustand.

Weitere Gesichtspunkte, die eine Rolle für die Therapieentscheidung spielen, sind z. B. das Alter des Patienten, persönliche Präferenzen und Wünsche.

Eine optimale Kombination für Sie passender Behandlungsansätze wird stets mit Ihnen gemeinsam und einem fachübergreifenden Behandlungsteam sorgfältig diskutiert und entschieden.

Zu den etablierten Behandlungsmethoden gehören [8]:

  • Operative Entfernung der Lymphknoten (Lymphadenektomie)
  • Herkömmliche Strahlentherapie – allein oder in Kombination mit einer Operation
  • Medikamentöse Therapie (Chemotherapie) – allein oder in Kombination mit einer Operation und/oder herkömmlichen Strahlentherapie

Bei der chirurgischen Entfernung von Lymphknoten werden unterschieden [10]:

  • Systematische Lymphknoten-Dissektion, bei der in definierten Kompartimenten alle Lymphknotenstationen aufgesucht und dort vorhandene Lymphknoten komplett entfernt werden
  • Systematisches Lymphknoten-Sampling, bei dem man aus vordefinierten Lymphknotenstationen lediglich einzelne Lymphknoten entfernt
  • Punktuelles Lymphknoten-Sampling, bei dem nur einzelne prä- oder intraoperativ auffällige Lymphknoten entfernt werden

Die CyberKnife-Therapie, wie wir sie hier im ERCM durchführen, kann je nach Lymphknotenregion und Größe eine gute Behandlungsalternative sein, z. B. bei metastasiertem Prostatakrebs.

CyberKnife

Im Sinne multimodaler onkologischer Therapiestrategien – die mehrere Behandlungsansätze individuell kombinieren –, können einzelne Metastasen oftmals sehr effektiv und sicher mit einer präzisionsmedizinischen CyberKnife-Therapie ausgeschaltet werden.

Ein stationärer Krankenhausaufenthalt, eine Anschlussheilbehandlung oder ein Rehabilitationsaufenthalt sind in der Regel nicht erforderlich. Dem gewohnten Tagesablauf und bisherigen Aktivitäten können Sie in den meisten Fällen im Anschluss an Ihre Behandlung nachgehen.

Verschiedene Studien zeigen für die innovativen Behandlungsmöglichkeiten mit dem CyberKnife-Präzisionsroboter vielversprechende Ergebnisse. Das nicht invasive, radiochirurgische Verfahren ermöglicht eine gezielte Tumorbehandlung mit minimaler Belastung des umliegenden gesunden Gewebes.

Oft ist auch nur eine einmalige Sitzung erforderlich.

Zudem kann für einige Patienten mit Prostatakrebs mitunter auch eine Antihormontherapie (AHT) vermieden werden [12]. Hormontherapien entziehen dem Körper das männliche Geschlechtshormon Testosteron, was für Betroffene enorme Beeinträchtigungen nach sich ziehen kann: Zu den mit einer AHT verbundenen möglichen Nebenwirkungen gehören beispielsweise Hitzewallungen, Muskelabnahme, Stammfettzunahme und Knochenschwund (Osteoporose) [9].

Insgesamt stellt die CyberKnife-Therapie für die Beseitigung begrenzter Lymphknotenmetastasen bei Patienten mit Prostatakrebs eine sichere und wirksame Therapie dar [13, 14, 15].

Zusammenfassend kann die Cyberknife-Therapie insbesondere bei einer begrenzten Anzahl von Lymphknotenmetastasen eine wichtige Rolle für den weiteren Krankheitsverlauf spielen [15]. Verschiedene Studienautoren gehen davon aus, dass entsprechend kombinierte und individuelle Therapieansätze zumindest für einige Patienten zu einer langfristigen Remission oder Heilung führen können.

Behandlungsanfragen

Wir möchten Sie auf dem Weg zu einem optimalen Therapiekonzept unterstützen, das Ihnen auch die bestmögliche Lebensqualität erlaubt. Komplexer gewordene Behandlungsmöglichkeiten bedeuten, dass eine Entscheidung für Ihre Therapie immer auch mit Ihnen und dem Behandlungsteam gemeinsam sowie mit Blick auf Ihre individuelle Lebenssituation erfolgt.

Für Behandlungsanfragen bitten wir Sie, das Kontaktformular zu verwenden. Sie erreichen uns außerdem telefonisch während unserer Öffnungszeiten oder auch über unsere Social Media Kanäle.

Ihre Anfrage wird individuell und schnell bearbeitet.

Häufige Fragen

Lymphknotenmetastasen entstehen, wenn sich Krebszellen von einem Primärtumor lösen und über das Blut oder das Lymphsystem zu den Lymphknoten wandern. Dort setzen sie sich fest und beginnen zu wachsen, wodurch Tochtergeschwülste, die Metastasen, entstehen.

Lymphknotenmetastasen können bei vielen Krebsarten auftreten. Häufige Beispiele, die auch im ERCM oftmals behandelt werden, sind Metastasen des Prostatakarzinoms oder des malignen Melanoms.

Lymphknotenmetastasen verursachen häufig keine spezifischen Beschwerden. Oft werden sie als schmerzlose Schwellung eines oder mehrerer Lymphknoten entdeckt, beispielsweise im Bereich des Halses, der Achselhöhlen oder Leistengegend.

Für die Entscheidung über eine individuell bestmögliche Therapiestrategie spielen insbesondere die Lymphknotenregion, die Größe der Lymphknoten und die Allgemeingesundheit eine entscheidende Rolle.

Ja, Lymphknotenmetastasen sind immer bösartig, da sie Absiedlungen von Krebszellen aus einem Primärtumor darstellen.

Das Auftreten von Lymphknotenmetastasen ist ein wichtiger Faktor für die Beurteilung des Stadiums einer Krebserkrankung und die Prognose. Meist deuten Metastasen auf ein fortgeschritteneres Stadium hin, was Einfluss auf die Behandlungsmöglichkeiten und die Auswahl einer bestmöglichen Therapiestrategie hat.

Ja, Lymphknotenmetastasen können nach der Behandlung erneut auftreten, dies wird als Rezidiv bezeichnet. Meist sitzen Rezidive nicht an der gleichen Stelle, aber möglicherweise im näheren Umfeld der zuvor behandelten Region.

[1] Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) Berlin, Leitlinie AWMF-Reg.-Nr. 025-020, Titel: Lymphknotenvergrößerung, Erstveröffentlichung: 1/1997, Leitlinienkoordination Ursula Creutzig (Hannover), Stephan Lobitz (Koblenz); Version: 5.0. Stand: 30.04.2020.
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/025-020

[2] Ji, H., Hu, C., Yang, X., Liu, Y., Ji, G., et al., Lymph node metastasis in cancer progression: molecular mechanisms, clinical significance and therapeutic interventions. Sig Transduct Target Ther. 2023;8:367.
https://doi.org/10.1038/s41392-023-01576-4

[3] Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) online, Metastasen bei Krebs (letzte Aktualisierung: 6.6.2024): https://www.krebsinformationsdienst.de/metastasen [letzter Zugriff: 11.12.2024]
https://www.krebsinformationsdienst.de/metastasen

[4] Jonker, D., Auer, R., Locke, G., Abdominal Schwannoma Mimicking Lymph Node Metastasis in Rectal Cancer, Cureus. 2022;14(12):e33096.
https://doi.org/10.7759/cureus.33096

[5] Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) online, Lymphknoten: https://www.krebsinformationsdienst.de/suche?tx_solr%5Bfilter%5D%5B0%5D=type%3AglossaryItem&tx_solr%5Bq%5D=lymphknoten [letzter Zugriff: 09.12.2024]
https://www.krebsinformationsdienst.de/suche?tx_solr%5Bfilter%5D%5B0%5D=type%3AglossaryItem&tx_solr%5Bq%5D=lymphknoten

[6] Beldi, D., Jereczek-Fossa, B. A., D'Onofrio, A., Gambaro, G., Fiore, M.R., et al., Role of radiotherapy in the treatment of cervical lymph node metastases from an unknown primary site: retrospective analysis of 113 patients. Int. J. Radiat. Oncol., Biol., Phys. 2007;69:1051-1058.
https://doi.org/10.1016/j.ijrobp.2007.04.039

[7] Dietrich, C. F., Hocke, M., Jenssen, C., Ultrasound for abdominal lymphadenopathy, Dtsch Med Wochenschr. 2013;1380:1001-1018.
https://doi.org/10.1055/s-0032-1333027

[8] Jereczek-Fossa, B. A., Jassem, J., Orecchia, R., Cervical lymph node metastases of squamous cell carcinoma from an unknown primary, Cancer Treatment Reviews 2004;30(2):153-164.
https://doi.org/10.1016/j.ctrv.2003.10.001

[9] De Bruycker, A. , Spiessens, A., Dirix, P., Koutsouvelis, N., Semac, I., et al., PEACE V – Salvage Treatment of Oligo Recurrent nodal prostate cancer Metastases (STORM): a study protocol for a randomized controlled phase II trial, BMC Cancer. 2020;20,406.
https://doi.org/10.1186/s12885-020-06911-4

[10] Flentje, M., Schumann, C., Multimodale Ansätze in Diagnose und Therapie beim NSCLC Stadium III – Der aktuelle Standard, Onkologie heute Fortbildung aktuell 2018;F2. Verfügbar unter: https://cme.mgo-fachverlage.de/uploads/exam/exam_223.pdf [letzter Zugriff: 08.12.2024]
https://cme.mgo-fachverlage.de/uploads/exam/exam_223.pdf

[11] Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF Leitlinienprogramm Onkologie, S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Langversion 7.0, 2024, AWMF-Registernummer: 043-022OL; https://www.leitlinienprogrammonkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/ [letzter Zugriff: 08.12.2024]
https://www.leitlinienprogrammonkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/

[12] Jereczek-Fossa, B. A., Beltramo, G., Fariselli, L., Fodor, C., Santoro, L. et al., Robotic image-guided stereotactic radiotherapy, for isolated recurrent primary, lymph node or metastatic prostate cancer, Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2012;82(2):889-897.
https://doi.org/10.1016/j.ijrobp.2010.11.031

[13] Ingrosso, G., Trippa, F., Maranzano, E., Carosi, A., Ponti, E., et al., Stereotactic body radiotherapy in oligometastatic prostate cancer patients with isolated lymph nodes involvement: a two-institution experience, Welt J Urol. 2017;35(1):45-49.
https://doi.org/10.1007/s00345-016-1860-0

[14] Ost, P., Jereczek-Fossa, B. A., As, N. V., Zilli, T., Muacevic, A., et al., Progression-free survival following stereotactic body radiotherapy for oligometastatic prostate cancer treatment-naive recurrence: a multi institutional analysis, Eur Urol. 2016;69:9-12.
https://doi.org/10.1016/j.eururo.2015.07.004

[15] Carrasquilla, M., Creswell, M. L., Pepin, A. N., Wang, E., Forsthoefel, M., et al., Rationale for Involved Field Stereotactic Body Radiation Therapy-Enhanced Intermittent Androgen Deprivation Therapy in Hormone-Sensitive Nodal Oligo-Recurrent Prostate Cancer Following Prostate Stereotactic Body Radiation Therapy, Front. Oncol. 2021;10:606260.
https://doi.org/10.3389/fonc.2020.606260

[16] Rodler, S., Schott, M., Tamalunas, A., Marcon, J., Graser, A., et al., Safety and Efficacy of Robotic Radiosurgery for Visceral and Lymph Node Metastases of Renal Cell Carcinoma: A Retrospective, Single Center Analysis, Cancers (Basel). 2021;13(4):680.
https://doi.org/10.3390/cancers13040680