Lymphknotenmetastasen entstehen, wenn Krebszellen aus dem Primärtumor in das Lymphsystem einbrechen und sich in regionären oder entfernten Lymphknoten ansiedeln. Die lymphogene Metastasierung ist der häufigste Ausbreitungsweg solider Tumoren und hat entscheidende prognostische und therapeutische Bedeutung. Lymphknotenmetastasen werden im TNM-System durch den N-Status beschrieben:
Darüber hinaus können Lymphknoten im Rahmen einer hämatogenen Fernmetastasierung betroffen sein (M1).
Lymphknotenmetastasen sind häufig zunächst asymptomatisch und werden im Rahmen der strukturierten Tumornachsorge entdeckt. Klinische Beschwerden entstehen durch lokale Verdrängung oder Kompression benachbarter Strukturen – ihre Art richtet sich daher nach der betroffenen Lymphknotenstation.
Das vollständige Fehlen von Beschwerden bei einem bildgebend nachgewiesenen Lymphknotenrezidiv ist häufig der Grund, warum Befunde erst spät erkannt werden. Regelmäßige Tumornachsorgeuntersuchungen sind daher entscheidend für die rechtzeitige Therapieeinleitung.
Die Diagnostik bei Verdacht auf Lymphknotenmetastasen zielt darauf ab, Lokalisation, Ausdehnung und Anzahl der befallenen Stationen exakt zu erfassen, den Primärtumor zu identifizieren sowie ggf. histologische Sicherung zu erhalten – dies ist die Grundlage jeder Therapieentscheidung.
Die Therapie von Lymphknotenmetastasen ist multimodal und wird individuell im interdisziplinären Tumorboard festgelegt. Entscheidend sind Primärtumor, Anzahl und Lage der befallenen Lymphknoten, Vorbehandlungen sowie der Allgemeinzustand des Patienten.
Die stereotaktische Körperradiochirurgie (SBRT) gewinnt bei der Behandlung von Lymphknotenmetastasen zunehmend an Bedeutung – insbesondere beim oligometastatischen Lymphknotenrezidiv.
Die Methode ermöglicht eine millimeterpräzise Bestrahlung einzelner Lymphknoten mit hohen Einzeldosen, ohne das umliegende Gewebe wesentlich zu belasten.
Das CyberKnife-System ist ein robotergeführtes Linearbeschleunigersystem, das die Bestrahlung aus Hunderten von Einstrahlwinkeln ermöglicht. Es ist mit einem bildgesteuerten Trackingsystem ausgestattet, das Patientenbewegungen in Echtzeit kompensiert – ohne mechanische Fixierung. Dies erlaubt eine präzise Dosisapplikation an tiefliegenden Lymphknotenregionen (z. B. paraaortal, pelvin, mediastinal), ohne kritische Nachbarstrukturen wie Rückenmark, Nieren, Ureteren oder Darmschlingen zu gefährden.
Ein Schwerpunkt der CyberKnife Behandlung bei Lymphknotenmetastasen im Rahmen eines Prostatakarzinom-Rezidivs. Nach kurativer Therapie (Prostatektomie oder Strahlentherapie) entwickeln bis zu 40 % der Patienten ein biochemisches Rezidiv (PSA-Anstieg). Mit dem PSMA-PET-CT lassen sich heute auch kleinste Lymphknotenmetastasen bei PSA-Werten unter 0,5 ng/ml zuverlässig detektieren.
Unterschiedliche Studien (STOMP/ ORIOLE) zeigen, dass eine Metastasendirektierte Therapie (MDT) – also die gezielte radiochirurgische Behandlung der betroffenen Lymphknoten – den PSA-Progress verlangsamt, den Einsatz systemischer Hormontherapie verzögert und die Lebensqualität erhält.
Ob Lymphknotenrezidiv nach Prostatakarzinom, mediastinale Metastasen oder oligometastatischer Befall mehrerer Stationen – das Team des ERC München prüft Ihren Fall individuell und berät Sie zu den Möglichkeiten der stereotaktischen Radiochirurgie.
Bei oligometastatischem Lymphknotenbefall – also wenigen, klar abgrenzbaren befallenen Lymphknoten – ist ein kurativ intendierter Ansatz mit CyberKnife möglich. Studien zeigen in diesem Setting anhaltende Remissionen und in ausgewählten Fällen Langzeitüberleben ohne weitere Systemtherapie. Bei ausgedehntem Lymphknotenbefall steht die Lebensverlängerung und Erhalt der Lebensqualität im Vordergrund.
Ja, in vielen Fällen ist eine erneute Bestrahlung möglich. Der wesentliche Vorteil der SBRT liegt in der präzisen Dosiskonzentration auf das Zielvolumen bei gleichzeitigem steilem Dosisabfall in der Umgebung. Vorherige Bestrahlungsdosen müssen bei der Planung berücksichtigt werden; kritische Organe (Rückenmark, Nieren, Dünndarm) werden durch Dosislimitierungen geschützt. Dies wird im interdisziplinären Team individuell entschieden.
In der Regel werden 1–3 befallene Lymphknotenstationen in einer CyberKnife Sitzung behandelt.
Bei entsprechender Planung können auch bis zu 5 Herde in einem Behandlungszyklus bestrahlt werden. Die endgültige Entscheidung hängt von Lokalisation, Größe, Lagebeziehung zu kritischen Strukturen und dem Allgemeinzustand des Patienten ab.
Die konventionelle Lymphknotenbestrahlung (z. B. pelvine oder mediastinale Bestrahlung) umfasst in der Regel große Zielvolumina mit 25–35 Fraktionen über mehrere Wochen. Die SBRT hingegen bestrahlt gezielt nur den sichtbar befallenen Lymphknoten in 3–5 hochdosierten Sitzungen. Dies reduziert die Gesamtdosis im Normalgewebe, verkürzt die Behandlungszeit erheblich und macht eine erneute Behandlung bei Rezidiv in anderen Stationen einfacher.
Das PSMA-PET-CT ist aktuell die sensitivste bildgebende Methode zum Nachweis von Lymphknotenmetastasen beim Prostatakarzinom und kann Herde bereits bei sehr niedrigen PSA-Werten (unter 0,5 ng/ml) detektieren. Es ermöglicht eine genaue Lokalisierung der betroffenen Lymphknotenstationen und ist die Grundlage für eine metastasendirektierte Radiochirurgie (MDT). Ohne PSMA-PET-CT wären viele dieser Rezidive nicht diagnostizierbar.
[1] Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) Berlin, Leitlinie AWMF-Reg.-Nr. 025-020, Titel: Lymphknotenvergrößerung, Erstveröffentlichung: 1/1997, Leitlinienkoordination Ursula Creutzig (Hannover), Stephan Lobitz (Koblenz); Version: 5.0. Stand: 30.04.2020.
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/025-020
[2] Ji, H., Hu, C., Yang, X., Liu, Y., Ji, G., et al., Lymph node metastasis in cancer progression: molecular mechanisms, clinical significance and therapeutic interventions. Sig Transduct Target Ther. 2023;8:367.
https://doi.org/10.1038/s41392-023-01576-4
[3] Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) online, Metastasen bei Krebs (letzte Aktualisierung: 6.6.2024): https://www.krebsinformationsdienst.de/metastasen [letzter Zugriff: 11.12.2024]
https://www.krebsinformationsdienst.de/metastasen
[4] Jonker, D., Auer, R., Locke, G., Abdominal Schwannoma Mimicking Lymph Node Metastasis in Rectal Cancer, Cureus. 2022;14(12):e33096.
https://doi.org/10.7759/cureus.33096
[5] Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) online, Lymphknoten: https://www.krebsinformationsdienst.de/suche?tx_solr%5Bfilter%5D%5B0%5D=type%3AglossaryItem&tx_solr%5Bq%5D=lymphknoten [letzter Zugriff: 09.12.2024]
https://www.krebsinformationsdienst.de/suche?tx_solr%5Bfilter%5D%5B0%5D=type%3AglossaryItem&tx_solr%5Bq%5D=lymphknoten
[6] Beldi, D., Jereczek-Fossa, B. A., D'Onofrio, A., Gambaro, G., Fiore, M.R., et al., Role of radiotherapy in the treatment of cervical lymph node metastases from an unknown primary site: retrospective analysis of 113 patients. Int. J. Radiat. Oncol., Biol., Phys. 2007;69:1051-1058.
https://doi.org/10.1016/j.ijrobp.2007.04.039
[7] Dietrich, C. F., Hocke, M., Jenssen, C., Ultrasound for abdominal lymphadenopathy, Dtsch Med Wochenschr. 2013;1380:1001-1018.
https://doi.org/10.1055/s-0032-1333027
[8] Jereczek-Fossa, B. A., Jassem, J., Orecchia, R., Cervical lymph node metastases of squamous cell carcinoma from an unknown primary, Cancer Treatment Reviews 2004;30(2):153-164.
https://doi.org/10.1016/j.ctrv.2003.10.001
[9] De Bruycker, A. , Spiessens, A., Dirix, P., Koutsouvelis, N., Semac, I., et al., PEACE V – Salvage Treatment of Oligo Recurrent nodal prostate cancer Metastases (STORM): a study protocol for a randomized controlled phase II trial, BMC Cancer. 2020;20,406.
https://doi.org/10.1186/s12885-020-06911-4
[10] Flentje, M., Schumann, C., Multimodale Ansätze in Diagnose und Therapie beim NSCLC Stadium III – Der aktuelle Standard, Onkologie heute Fortbildung aktuell 2018;F2. Verfügbar unter: https://cme.mgo-fachverlage.de/uploads/exam/exam_223.pdf [letzter Zugriff: 08.12.2024]
https://cme.mgo-fachverlage.de/uploads/exam/exam_223.pdf
[11] Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF Leitlinienprogramm Onkologie, S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Langversion 7.0, 2024, AWMF-Registernummer: 043-022OL; https://www.leitlinienprogrammonkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/ [letzter Zugriff: 08.12.2024]
https://www.leitlinienprogrammonkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/
[12] Jereczek-Fossa, B. A., Beltramo, G., Fariselli, L., Fodor, C., Santoro, L. et al., Robotic image-guided stereotactic radiotherapy, for isolated recurrent primary, lymph node or metastatic prostate cancer, Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2012;82(2):889-897.
https://doi.org/10.1016/j.ijrobp.2010.11.031
[13] Ingrosso, G., Trippa, F., Maranzano, E., Carosi, A., Ponti, E., et al., Stereotactic body radiotherapy in oligometastatic prostate cancer patients with isolated lymph nodes involvement: a two-institution experience, Welt J Urol. 2017;35(1):45-49.
https://doi.org/10.1007/s00345-016-1860-0
[14] Ost, P., Jereczek-Fossa, B. A., As, N. V., Zilli, T., Muacevic, A., et al., Progression-free survival following stereotactic body radiotherapy for oligometastatic prostate cancer treatment-naive recurrence: a multi institutional analysis, Eur Urol. 2016;69:9-12.
https://doi.org/10.1016/j.eururo.2015.07.004
[15] Carrasquilla, M., Creswell, M. L., Pepin, A. N., Wang, E., Forsthoefel, M., et al., Rationale for Involved Field Stereotactic Body Radiation Therapy-Enhanced Intermittent Androgen Deprivation Therapy in Hormone-Sensitive Nodal Oligo-Recurrent Prostate Cancer Following Prostate Stereotactic Body Radiation Therapy, Front. Oncol. 2021;10:606260.
https://doi.org/10.3389/fonc.2020.606260
[16] Rodler, S., Schott, M., Tamalunas, A., Marcon, J., Graser, A., et al., Safety and Efficacy of Robotic Radiosurgery for Visceral and Lymph Node Metastases of Renal Cell Carcinoma: A Retrospective, Single Center Analysis, Cancers (Basel). 2021;13(4):680.
https://doi.org/10.3390/cancers13040680