Meningeome entstehen aus Arachnoidaldeckzellen (Meningothelzellen) der Hirnhäute. Sie sind mit etwa 37% aller primären Hirntumoren die häufigste intrakranielle Tumorentität. Die Inzidenz beträgt rund 7–8 Fälle pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Der überwiegende Anteil ist gutartig (WHO Grad I ~90%). Meningeome treten bei Frauen zwei- bis dreimal häufiger auf als bei Männern. Der Häufigkeitsgipfel liegt in der 5. bis 7. Lebensdekade.
27% aller Meningeome weisen genetische Veränderungen auf (Monosomie 22). Gerade bei Betroffenen in jüngerem Alter muss daher immer auch an eine erblich bedingte Ursache gedacht werden. Ein gehäuftes Auftreten zeigt sich beispielsweise bei einer Typ-2-Neurofibromatose, kurz NF2 – eine genetische Erkrankung, die auch für ein beidseitiges Akustikusneurinom (Vestibularisschwannom) ursächlich sein kann.
Zu den Risikofaktoren gehören Ionisierende Strahlung (der wichtigste bekannte externe Risikofaktor), Hormoneinflüsse (Expression von Progesteron- und Östrogenrezeptoren) und die Adipositas.
Meningeome wachsen meist sehr langsam über Jahre. Studien zeigen, dass rund 70% der beobachteten Tumoren im Verlauf kein messbares Wachstum aufweisen.
Rund 70–80 % aller Meningeome liegen supratentoriell, also oberhalb des Kleinhirnzelts. Etwa 20–30 % befinden sich an der Schädelbasis. Nur etwa 10 % liegen in der hinteren Schädelgrube.
WHO I: Meningothelial, fibrös, transitional, psammomatös, angiomatös (ca. 90%) – wachsen langsam und sind meist gutartig
WHO II: Atypische Zellen mit erhöhter Mitoserate, Neigung zu Nekrosen, Hirninvasion (ca. 8%) – wachsen aggressiver
WHO III: Anaplastisch/ Rhabdoid/ Papillär (ca. 2%) – wachsen schnell und infiltrativ
Das klinische Bild hängt vollständig von der Lokalisation des Meningeoms ab. Aufgrund des langsamen Wachstums bleiben viele Tumoren über lange Zeit symptomlos. Die Beschwerden entstehen durch Kompression benachbarter Strukturen. Oft finden sich unspezifische Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen, kognitive Veränderungen oder Persönlichkeitsveränderungen. Viele Meningeome werden zufällig in der Bildgebung entdeckt. In diesem Fall ist ein abwartendes Vorgehen mit regelmäßigen MRT-Kontrollen oft die sinnvolle Maßnahme – insbesondere bei kleinen, asymptomatischen Befunden.
Bei typischem Befund ist die Diagnosestellung häufig bereits vor einer Operation möglich. Es gibt keine spezifischen Tumormarker im Blut für Meningeome. Die Diagnose basiert auf der Bildgebung und – nach chirurgischer Intervention – auf der histopathologischen Aufarbeitung inklusive molekulargenetischer Analyse.
Die Wahl der Behandlung richtet sich nach Tumorgröße, Lokalisation, WHO-Grad, Symptomatik, Wachstumsverhalten und Allgemeinzustand des Patienten. Die Therapieentscheidung wird idealerweise im interdisziplinären Tumorboard getroffen.
Unabhängig davon besteht stets die Notwendigkeit einer regelmäßigen bildgebenden Nachuntersuchung.
Die Radiochirurgie ist bei Meningeomen WHO Grad I eine der bestuntersuchten und wirksamsten nicht-invasiven Behandlungen überhaupt.
Mit über 30 Jahren kumulativer Erfahrung und tausenden behandelten Fällen gelten die Ergebnisse als hochgradig evidenzbasiert – lokale Kontrollraten von 90–95% über 10 Jahre sind gut dokumentiert.
Das ZAP-X ist ein innovatives gyroscopisches Radiochirurgiesystem, das speziell für intrakranielle Tumoren konzipiert wurde. Durch den kugelschalenförmigen Bestrahlungsraum und die gyroscopische Rotation des Linearbeschleunigers um den Kopf kann die Strahlendosis aus hunderten von Winkeln präzise am Tumor gebündelt werden – mit außerordentlich steilem Dosisabfall zur Umgebung. Dies ist besonders bei Schädelbasismeningeomen in der Nähe von Sehnerven, Hirnstamm und Hirnnerven von entscheidender Bedeutung.
In diesem Video gibt’s Einblicke in Erfahrungen, die im ERCM behandelte Patientinnen und Patienten gemacht haben – u. a. auch hinsichtlich der Beweggründe, den persönlichen Behandlungsweg mit uns und unseren Experten gemeinsam zu gehen.
Alle individuellen Therapiekonzepte werden mit den jeweiligen Spezialisten im Vorfeld Ihrer Behandlung ausführlich evaluiert, dann mit Ihnen besprochen und individuell geplant.
Für Behandlungsanfragen bitten wir Sie, das Kontaktformular zu verwenden. Sie erreichen uns außerdem telefonisch während unserer Öffnungszeiten oder auch über unsere Social Media Kanäle.
Ihre Anfrage wird individuell und schnell bearbeitet.
Nein. Kleine, asymptomatische Meningeome WHO Grad I können zunächst beobachtet werden. Studien zeigen, dass rund 70% dieser Tumoren über Jahre kein Wachstum zeigen. Die Entscheidung zur Therapie hängt von Symptomatik, Wachstum, Lage und Allgemeinzustand ab. Im interdisziplinären Tumorboard wird der optimale Zeitpunkt gemeinsam festgelegt.
Sehr gut. Langzeitstudien zeigen Tumorkontrollraten von 90–95% nach 10 Jahren – vergleichbar mit chirurgischer Komplettresektion. Viele Tumoren schrumpfen über Monate bis Jahre nach der Behandlung.
Schädelbasismeningeome liegen an der Unterseite des Schädels – in unmittelbarer Nähe von Hirnnerven, Hirnstamm, Sehnerven und großen Blutgefäßen. Chirurgische Eingriffe sind hier mit hohem Risiko für Hirnnervenausfälle verbunden. Die Radiochirurgie ist bei kleinen bis mittelgroßen Schädelbasismeningeomen (z.B. Sinus cavernosus, Keilbeinflügel, Kleinhirnbrückenwinkel) eine besonders gut geeignete und bewährte Therapieoption.
Ja, und sie ist in dieser Situation eine der am häufigsten eingesetzten Therapieoptionen. Nach subtotaler Resektion oder bei Rezidivtumor nach der Operation kann die Radiochirurgie den Tumor langfristig kontrollieren. Auch nach mehreren Voroperationen ist die stereotaktische Radiochirurgie in der Regel technisch gut durchführbar.
Ja – gerade diese Lokalisationen sind eine der Hauptindikationen für die Radiochirurgie am ERCM. Die präzise Dosisverteilung von CyberKnife und ZAP-X erlaubt es, den Tumor mit ausreichender Dosis zu behandeln, während Sehnerv (max. 8–9 Gy) und Hirnstamm (max. 12–14 Gy) zuverlässig unterhalb der Toleranzdosis bleiben. Jahrzehntelange Erfahrung mit Schädelbasismeningeomen bestätigt die Sicherheit und Wirksamkeit dieses Ansatzes.
[1] Ruge, M., Goldbrunner, R., Grau, S., Management of benign brain tumors: meningioma and vestibular schwannoma. Best Practice Onkologie 2019;14:284-292.
https://doi.org/10.1007/s11654-019-0155-5
[2] Seliger, C., Wick, W., Neues zur Einteilung und Therapie von Meningeomen. Neurologie up2date 2020;03:343-356.
https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/a-0965-2007
[3] Ehret, F., Kufeld, M., Fürweger, C., Haidenberger, A., Fichte, S. et al., The Role of Stereotactic Radiosurgery in the Management of Foramen Magnum Meningiomas-A Multicenter Analysis and Review of the Literature. Cancers (Basel) 2022;14(2):341.
https://www.mdpi.com/2072-6694/14/2/341