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Spinales Neurinom

Das spinale Neurinom – gleichbedeutend mit Schwannom oder Neurilemmom – ist ein gutartiger Tumor (WHO Grad I), der von den Schwann-Zellen der spinalen Nervenwurzeln ausgeht. Es handelt sich um den häufigsten intraduralen extramedulären spinalen Tumor und macht etwa 25–30 % aller spinalen Tumoren aus. In ca. 70 % der Fälle entspringt das Neurinom aus sensorischen Hinterwurzeln. Es liegt häufig intradural extramedullär, selten extradural oder beides – die sog. Sanduhrform oder auch Dumbbell-Tumor genannt imponiert mit charakteristischer Erweiterung des Neuroforamens im CT. Die Verteilung entlang der Wirbelsäule ist in 30% zervikal, in 50% thorakal und in 20% lumbosakral.

Eine Besonderheit ist die Neurofibromatose Typ 2 (NF2) – bei dieser genetischen Erkrankung können multiple und auch bilaterale Schwannome auftreten.

Symptome und deren Entstehung

Aufgrund des langsamen Wachstums spinaler Neurinome verläuft die Erkrankung oft über Jahre symptomlos. Wenn Beschwerden auftreten, richten sie sich nach Lage und Größe des Tumors:

  • Radikuläre Schmerzen- häufigstes Erstsymptom; betroffen ist das korrespondierende Dermatom, thorakal ggf. gürtelförmige Schmerzsymptomatik
  • Sensibilitätsstörungen Kribbeln, Taubheitsgefühl im Versorgungsgebiet der betroffenen Nervenwurzel
  • Motorische Schwäche-myotomabhängig; tritt meist bei längerem Verlauf auf
  • Myelopathie (bei zervikaler/thorakaler Lage): spastische Paraparese, Hyperreflexie
  • Blasen- und Mastdarmstörungen- bei Beteiligung von Cauda equina oder Konus medullaris.

Insgesamt ist es so, dass die Lokalisation die Symptomatik bestimmt-zervikale Neurinome verursachen Nackenschmerzen und Armschmerzen/-schwäche, thorakale können gürtelförmige Rumpfschmerzen verursachen, und lumbosakrale Neurinome führen zu Bein- und Rückenbeschwerden sowie möglichen Blasenproblemen.

Diagnose

  • MRT der Wirbelsäule mit Gadolinium-Kontrastmittel (Methode der Wahl)
  • T1 + KM: kräftige, homogene Kontrastmittelaufnahme.
  • T2: typischerweise hyperintens – im Gegensatz zu Meningeomen
  • Sanduhrform: ist meist gut darstellbar
  • CT: Foramenerweiterung (pathognomisch), knöcherne Erosionen, Verkalkungen (selten); ergänzend zur MRT, insbesondere für Operationsplanung.
  • CT-Myelographie: bei MRT-Kontraindikation.
  • Schädel-MRT: zum Ausschluss einer Neurofibromatose Typ 2 bei multiplen oder bilateralen Befunden.
  • Histologie: definitiver Nachweis erst nach Operation oder Biopsie; keine spezifischen Tumormarker vorhanden.
  • Molekulargenetik: bei NF2-Verdacht NF2-Genanalyse (Chromosom 22q12).

Behandlungsmöglichkeiten

Die Wahl der Therapie hängt von Tumorgröße, Lokalisation, Symptomatik, Wachstumsverhalten und dem Allgemeinzustand des Patienten ab. Folgende Optionen stehen zur Verfügung.

„Watch & Wait“ (aktive Beobachtung)

  • Bei kleinen, asymptomatischen Neurinomen
  • Regelmäßige MRT-Kontrollen (jährlich)
  • Bei älteren Patienten oder hohem OP-Risiko
  • Therapiebeginn bei Wachstum oder Symptomzunahme

Mikrochirurgische Resektion

  • Standardtherapie bei symptomatischen Neurinomen
  • Ziel ist die vollständige Resektion (R0) unter Nervenschonung
  • Laminektomie oder Hemilaminektomie
  • Die Heilungsrate beträgt ca 90 % nach vollständiger Resektion
  • Risiko eines Nervenwurzelschadens bei operativem Vorgehen

Radiochirurgie

  • Bei inoperablen Befunden, Residualtumor, Rezidiv oder Ablehnung der OP
  • CyberKnife
  • 3–5 Sitzungen, ambulant
  • Tumorkontrollrate 90–95 % nach 5 Jahren

Fraktionierte Strahlentherapie

  • Bei großen Tumoren in kritischer Lage (Nähe Myelon)
  • Normo- oder hypofraktioniert
  • Gesamtdosis 45–54 Gy

CyberKnife

Die stereotaktische Radiochirurgie ist bei spinalen Neurinomen eine hocheffektive Alternative zur Operation. Gutartige, gut abgrenzbare Tumore– wie es Neurinome sind– sprechen ausgezeichnet auf Bestrahlung an. Langzeitergebnisse sind mit denen der Radiochirurgie kranialer Schwannome (Akustikusneurinom) vergleichbar.

Sinnvoll bei:
  • Inoperablem Neurinom (ungünstige Lage, hohes Narkoserisiko, Multimorbidität)
  • Residualtumor nach subtotaler Resektion
  • Rezidiv nach Operation (lokal oder an benachbarten Segmenten)
  • Ablehnung der Operation durch den Patienten
  • Multiple spinale Neurinome (NF2) – simultane oder sequenzielle Behandlung möglich
  • Kleine, asymptomatische Neurinome mit Wachstumsnachweis als Alternative zur OP


Spinale Neurinome sprechen ausgezeichnet auf radiochirurgische Behandlungen an. Das CyberKnife-System ermöglicht durch seinen robotergeführten Arm die aus Bestrahlung aus mehreren Hundert Einstrahlwinkeln. Dies erlaubt eine exakte Anpassung der Isodosenfläche an die Tumorform – bei gleichzeitig steilem Dosisabfall zum angrenzenden Myelon hin.

Behandlungskonzept am ERCM

  • Interdisziplinäres Tumorboard bestehend aus Neurochirurgie, Strahlentherapie und Neuroradiologie
  • Präzise MRT-basierte Zielvolumendefinition – Neurinom und angrenzendes Myelon sind separat konturiert
  • Hochkonformale Dosisverteilung – steiler Dosisabfall, Myelonschonung als oberstes Ziel
  • Ambulante Durchführung– 3 bis 5 Sitzungen à 30–60 Minuten ohne Narkose
  • Nachsorge – MRT-Kontrollen nach 6 Monaten, dann jährlich- zur Beurteilung des Tumorvolumens und des klinischer Verlaufs

Behandlungsanfragen

Komplexer gewordene Therapiemöglichkeiten bedeuten, dass die Entscheidung für eine Therapie immer mit Blick auch auf Ihre individuelle Lebenssituation erfolgen sollte. Uns ist es wichtig, dass Sie sowie Ihre Angehörigen und Menschen, die Sie unterstützen und begleiten, alle Aspekte rund um Ihre Erkrankung und deren Therapieoptionen gut verstehen und für sich einordnen können.

Wir begleiten Sie gemeinsam mit unseren medizinischen Partnern auf diesem Weg und sorgen mit unserem Team dafür, dass Sie sich von Anbeginn im ERCM gut aufgehoben fühlen.

Für Behandlungsanfragen bitten wir Sie, das Kontaktformular zu verwenden. Sie erreichen uns außerdem telefonisch während unserer Öffnungszeiten oder auch über unsere Social Media Kanäle.

Ihre Anfrage wird individuell und schnell bearbeitet.

Häufige Fragen

  • Schwannom / Neurinom – ausgehend von Schwann-Zellen, gut gekapselt, solitär, gutartig; komprimiert den Nerv von außen, ohne ihn zu infiltrieren.
  • Neurofibrom – ebenfalls aus Schwann-Zellen und Fibroblasten, jedoch nicht gekapselt und den Nerv infiltrierend; häufiger bei Neurofibromatose Typ 1 (NF1)

Über 99 % der spinalen Neurinome sind WHO Grad I, gutartig und wachsen langsam. Maligne Entartungen – sogenannte MPNST (maligne periphere Nervenscheidentumoren) – sind extrem selten und treten fast ausschließlich im Rahmen einer Neurofibromatose Typ 1 (NF1) auf.

Eine Behandlung ist indiziert bei Symptomen (Schmerzen, Paresen, Blasenstörungen) oder nachgewiesenem Wachstum in der Verlaufskontrolle. Asymptomatische kleine Tumore ohne Wachstumsnachweis können zunächst durch regelmäßige MRT-Kontrollen beobachtet werden.

Studien zeigen Tumorkontrollraten von 90–95 % über 5 Jahre, vergleichbar mit den Ergebnissen der kranialen Schwannom-Radiochirurgie (Akustikusneurinom). Neurologische Verbesserungen sind möglich, aber weniger häufig als nach chirurgischer Dekompression.


Ja. Die Behandlung erfolgt vollständig ambulant in 3–5 Sitzungen. Es ist keine Narkose und kein stationärer Aufenthalt erforderlich. Patienten können das Centrum unmittelbar nach jeder Sitzung verlassen.

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