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Nierenzellkarzinom

Das Nierenzellkarzinom ist ein bösartiger Tumor, der von den Epithelzellen der Nierentubuli ausgeht. Es ist mit einem Anteil von etwa 85 % aller Nierentumoren die häufigste Form des Nierenkrebses und macht rund 2–3 % aller soliden Tumoren im Erwachsenenalter aus.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 15.000 Menschen neu am Nierenzellkarzinom. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 60. und 75. Lebensjahr.

Dank der weit verbreiteten Abdomensonographie und Schnittbildgebung wird die Erkrankung heute in über 50 % der Fälle als Zufallsbefund in einem frühen Stadium ohne Symptome entdeckt – was die Behandlungsmöglichkeiten erheblich verbessert.

Histologische Subtypen

  • Klarzellig (ccRCC): 75–80 % (Häufig VHL-Mutation; spricht auf Immuntherapie/TKI an)
  • Papillär (pRCC) Typ 1 & 2: 10–15 % (Häufig multizentrisch; MET-Mutation bei Typ 1)
  • Chromophob (chRCC): ~5 % (Günstigere Prognose; Onkozytom-Abgrenzung wichtig)
  • Sammelrohr-Karzinom: <1 % (Aggressiver Verlauf)

Risikofaktoren

  • Rauchen (verdoppelt das Erkrankungsrisiko)
  • Übergewicht / Adipositas
  • Arterielle Hypertonie
  • Familiäre Belastung / genetische Syndrome (z. B. Von-Hippel-Lindau-Syndrom, hereditäres papilläres NZK)
  • Langjährige Dialyse (erworbene Zystenniere)
  • Exposition gegenüber trichlorethylen- oder cadmiumhaltigen Verbindungen

Rund 30 % der Nierenzellkarzinome werden erst im metastasierten Stadium diagnostiziert. Bei weiteren 20–30 % der zunächst lokal operierten Patienten entwickeln sich im Verlauf Fernmetastasen – häufig in Lunge, Knochen, Leber, Nebennieren und Gehirn.

Symptome und deren Entstehung

Das Nierenzellkarzinom wird heute aufgrund der verbreiteten Bildgebung häufig symptomlos entdeckt. Klinische Symptome treten meist erst bei fortgeschrittenem Tumorwachstum auf.

Klassische Symptome

  • Hämaturie (Blut im Urin, sichtbar oder mikroskopisch) – durch Einbruch des Tumors ins Nierenbecken
  • Flankenschmerz – durch Kapselspannung oder Koagelabgang im Ureter
  • Tastbarer Nierentumor – bei großen oder fortgeschrittenen Tumoren

Diese klassische Trias aus Hämaturie, Flankenschmerz und palpablem Tumor gilt heute als Spätsymptom und findet sich nur noch bei etwa 6–10 % der Patienten.

Paraneoplastische Syndrome

Das Nierenzellkarzinom ist bekannt für eine Vielzahl paraneoplastischer Syndrome, die durch tumorbedingte Hormon- und Zytokinproduktion entstehen.

  • Anhaltend erhöhte Körpertemperatur / Fieber unklarer Ursache
  • Bluthochdruck (durch Renin-Produktion des Tumors)
  • Polyglobulie (durch Erythropoietin-Sekretion)
  • Hyperkalzämie (durch PTHrP-Sekretion)
  • Stauffer-Syndrom: reversible Leberfunktionsstörung ohne Lebermetastasen
  • Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Fatigue

Symptome durch Metastasen

  • Knochenmetastasen: Knochenschmerzen, pathologische Frakturen
  • Lungenmetastasen: Husten, Dyspnoe, Hämoptysen
  • Hirnmetastasen: Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle, Krampfanfälle
  • Nebennierenmetastasen: oft asymptomatisch
  • Varicocele sinistra: plötzlich aufgetretene linksseitige Varikozele als Hinweis auf Tumorthrombus in der linken Nierenvene

Diagnose

Die Diagnose des Nierenzellkarzinoms stützt sich auf Bildgebung und Labordiagnostik. Eine Biopsie ist in ausgewählten Fällen indiziert, aber nicht routinemäßig erforderlich.

  • Ultraschall der Nieren: Häufig erste Bildgebung; ermöglicht Unterscheidung solider vs. zystischer Raumforderungen (Bosniak-Klassifikation für Nierenzysten).
  • CT-Abdomen/Thorax mit Kontrastmittel (Dreiphasen-CT): Standardmethode zur Charakterisierung des Tumors, Beurteilung eines Venenthrombusausdehnung (V. renalis, V. cava inferior) und Staging.
  • MRT der Niere: Ergänzend bei Kontrastmittel-Unverträglichkeit, V. a. Venenthrombusausdehnung oder unklarem CT-Befund.
  • CT-Thorax: Ausschluss von Lungenmetastasen.
  • Knochenszintigraphie / PET-CT: Bei Verdacht auf Knochenoder Fernmetastasen.
  • MRT des Schädels: Bei neurologischen Symptomen oder Hochrisiko-Patienten zum Ausschluss von Hirnmetastasen.
  • Labor: Kreatinin, GFR, Blutbild, LDH, Kalzium, Leberwerte, Urinanalyse.
  • Biopsie: Perkutan unter CT- oder Ultraschall-Steuerung – indiziert bei geplanter systemischer Therapie ohne OP oder bei unklarem Befund.

Zusätzlich wird die Ausbreitung des Tumors beurteilt. Hierfür dient die sogenannte TNM-Klassifikation (vereinfacht).

  • T beschreibt die lokale Ausdehnung des Tumors innerhalb oder außerhalb der Prostata (I: Tumor < 7cm, II: > 7cm)
  • N beschreibt den Befall von Lymphknoten (venose Thrombose oder regionäre Lymphknoten)
  • M beschreibt das Vorliegen von Metastasen (Fernmetastasen oder Invasion benachbarter Organe)

Links: In diesem Fall eines 72-jährigen männlichen Patienten mit Nierenzellkarzinom rechts erfolgte im Juni 2024 die radiochirurgische Behandlung.

Rechts: 5 Monate nach der CyberKnife-Therapie in einer einmaligen Sitzung (Behandlungsdauer: 30 Minuten) zeigte sich der Tumor im MRT mit einer deutlichen Volumenreduktion von ca. 80% und ist bereits ausgeschaltet. Regelmäßige Kontrollintervalle können jetzt jährlich erfolgen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapieentscheidung beim Nierenzellkarzinom wird interdisziplinär getroffen und hängt von Tumorstadium, Subtyp, Allgemeinzustand des Patienten und der Funktion der Gegenniere ab.

„Watch & Wait“ (aktive Beobachtung)

  • Bei kleinen Tumoren < 3 cm (T1a) und älteren/multimorbiden Patienten
  • Regelmäßige Bildgebungskontrollen
  • Einleitung einer Therapie bei Wachstum oder Symptomen

Chirurgische Resektion

  • Partielle Nephrektomie (nierenerhaltend) – Standard bei T1-Tumoren
  • Radikale Nephrektomie bei großen oder zentral gelegenen Tumoren
  • Offen, laparoskopisch oder roboterassistiert
  • Ggf. Thrombektomie bei Venenthrombus

Thermische Ablation

  • Radiofrequenzablation (RFA) oder Kryoablation
  • Für kleine Tumoren ≤ 3 cm bei Patienten mit erhöhtem OP-Risiko
  • Perkutan unter CT-Steuerung

Systemische Therapie

  • Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI): Sunitinib, Pazopanib, Cabozantinib
  • Immuntherapie (Checkpoint-Inhibitoren): Nivolumab, Pembrolizumab
  • Kombinationstherapien bei metastasiertem NZK
  • mTOR-Inhibitoren (Everolimus, Temsirolimus)

Radiochirurgie

  • Nicht-invasive Hochpräzisionsbestrahlung (CyberKnife)
  • Primärtumor bei Inoperabilität oder Solitärniere
  • Oligometastasierung: Knochen, Gehirn, Lunge, Nebenniere

CyberKnife

Die CyberKnife-Therapie erfolgt gegenüber einer herkömmlichen Operation ambulant. Dank der robotergestützten submilimetergenauen Technik kann die Strahlung aus diversen Winkeln auf den Tumor gerichtet werden- dies ermöglicht eine steile Dosisfallgradiente- hohe Dosis im Tumor, rasch fallende Dosis im gesunden Gewebe.

Die Bestrahlung erfolgt mit exakter Zielerfassung. Blase, Enddarm, Harnröhre und umliegende Strukturen können so gezielt geschont werden. Während die klassische Strahlentherapie oft 7–8 Wochen dauert, benötigt der Patient im CyberKnife nur wenige Sitzungen. Das verbessert Komfort, Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und eine insgesamt bessere Verträglichkeit. Durch die nicht-invasive Behandlung gibt es keine operations- oder narkosebedingten Risiken wie bei einem chirurgischen Eingriff.

Viele Patienten können ihren Alltag bereits unmittelbar nach der Behandlung wie gewohnt fortsetzen.

Seit mehr als 20 Jahren behandeln wir im ERCM erfolgreich Patienten.

24 Publikationen

Häufige Fragen

Nierenzellkarzinome sind gefährlich- insbesondere dann, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Die Prognose hängt vom Stadium und der Ausbreitung des Tumors ab.

Etwa 70% der Nierenzellkarzinome sind asymptomatisch und werden zufällig im Ultraschall der Niere entdeckt. Erst in späteren Stadien treten Symptome auf. Häufig sind dabei Hämaturie, Schmerzen, tastbare Tumore und Gewichtsverlust.

Die robotergeführte Präzisionsbehandlung mit dem CyberKnife kann - abhängig von Größe und Lage des Tumors - im Betracht gezogen werden, wenn ein operatives Vorgehen nicht gewünscht oder das Operationsrisiko zu hoch ist.

Auch nach erfolgreicher Behandlung kann Nierenzellkrebs auftreten. Das Risiko für ein Rezidiv ist individuell unterschiedlich und hängt von Art und Stadium des ursprünglichen Tumors, der Wirksamkeit der Behandlung und den sonstigen Erkrankungen des Patienten ab. Regelmäßige Nachsorge ist deshalb unerlässlich. Nur so können Rezidive erkannt und behandelt werden.

Ja. Die häufigsten Stellen für Metastasen des Nierenzellkarzinoms sind Lunge, Leber, Knochen und Gehirn.

Welche Behandlung besser geeignet ist, hängt vor allem von Größe und Lage des Nierentumors, der Nierenfunktion und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.

Die Operation ist bei gut operablen, lokal begrenzten Nierentumoren weiterhin die Standardbehandlung und wird möglichst nierenerhaltend durchgeführt.

Die Radiochirurgie bietet bei ausgewählten Patienten eine nicht-invasive Alternative, insbesondere wenn eine Operation mit erhöhtem Risiko verbunden ist oder nicht durchgeführt werden kann. Sie erfolgt ohne Schnitt und ohne Vollnarkose in wenigen Behandlungssitzungen.

Welche Therapie im Einzelfall am besten geeignet ist, sollte anhand der Bildgebung und der individuellen Situation interdisziplinär entschieden werden.

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