Das Prostatakarzinom entsteht nach heutigem wissenschaftlichem Stand nicht durch eine einzelne Ursache, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Ein wichtiger Risikofaktor ist das Alter. Vor dem 50. Lebensjahr tritt ein Prostatakarzinom selten auf, während die Häufigkeit ab etwa 65 Jahren deutlich ansteigt. Das durchschnittliche Erkrankungsalter in Deutschland liegt bei ungefähr 70 Jahren. Mehr als 80 % der diagnostizierten Fälle betreffen Männer über 65 Jahre. Altersbedingte Veränderungen und über Jahrzehnte angesammelte Schäden im Erbgut der Prostatazellen gelten daher als wesentliche Grundlage der Tumorentstehung.
Eine bedeutende Rolle spielt außerdem die genetische Veranlagung. Männer, deren Vater oder Bruder an einem Prostatakarzinom erkrankt sind, haben ein deutlich erhöhtes Risiko. Besonders relevant sind erbliche Veränderungen bestimmter Gene, darunter BRCA1, BRCA2 sowie DNA-Reparaturgene wie ATM oder CHEK2. Schätzungen zufolge sind etwa 5 bis 15 % aller Prostatakarzinome deutlich erblich beeinflusst.
Auch hormonelle Faktoren spielen eine zentrale Rolle. Das Wachstum der Prostata und vieler Prostatakarzinome ist androgenabhängig. Ohne männliche Geschlechtshormone, insbesondere Testosteron und dessen aktive Stoffwechselprodukte, wächst Prostatagewebe kaum. Deshalb wirken antihormonelle Therapien bei vielen Patienten gut. Hohe normale Testosteronwerte allein gelten jedoch heute nicht als direkte Ursache des Prostatakarzinoms.
Darüber hinaus werden Lebensstil- und Umweltfaktoren als mitbeteiligt angesehen. Starkes Übergewicht, Bewegungsmangel sowie ein hoher Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel und großer Mengen von Fleisch können das Risiko erhöhen. Die Auswirkungen dieser Faktoren sind allerdings meist geringer als die von Alter und genetischer Belastung. Insgesamt spricht der heutige Forschungsstand dafür, dass sowohl genetische als auch Umwelt- und Lebensstilfaktoren an der Entstehung des Prostatakarzinoms beteiligt sind.
Bei wiederkehrendem Prostatakrebs: siehe
Prostatakarzinomrezidiv
Ein Prostatakarzinom verursacht im frühen Stadium häufig keine Beschwerden und wird oft zufällig durch einen erhöhten PSA-Wert oder im Rahmen der Vorsorge entdeckt. Mit zunehmendem Wachstum können jedoch Symptome auftreten:
Viele dieser Beschwerden können allerdings auch durch eine gutartige Prostatavergrößerung oder Entzündungen verursacht werden. Daher sind zur sicheren Diagnose weitere Untersuchungen erforderlich.
Die Diagnose eines Prostatakarzinoms wird anhand mehrerer Untersuchungen und Befunde gestellt. Dabei werden sowohl klinische Untersuchungen, als auch Laborwerte, bildgebende Verfahren und feingewebliche Analysen berücksichtigt.
Häufig besteht zunächst der Verdacht auf ein Prostatakarzinom aufgrund eines erhöhten PSA-Wertes. Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist ein Eiweiß, das von Prostatazellen gebildet wird. Erhöhte Werte können auf ein Prostatakarzinom hinweisen, kommen jedoch auch bei gutartigen Prostatavergrößerungen oder Entzündungen vor. Deshalb wird nicht nur der absolute PSA-Wert beurteilt, sondern auch dessen Verlauf über die Zeit (PSA-Dynamik oder PSA-Velocity).
Zusätzlich erfolgt in der Regel eine digitale rektale Untersuchung (DRU). Dabei tastet der Arzt die Prostata über den Enddarm ab, um Verhärtungen, Knoten oder Asymmetrien festzustellen, die verdächtig auf einen Tumor sein können.
Besteht weiterhin der Verdacht auf ein Prostatakarzinom, wird heute meist eine multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) der Prostata durchgeführt. Dieses Verfahren ermöglicht eine genauere Darstellung verdächtiger Areale innerhalb der Prostata und hilft bei der gezielten Planung einer Gewebeentnahme. Die MRT-Kriterien zur Beurteilung eines Prostatakarzinoms heißen
Es handelt sich um ein standardisiertes Bewertungssystem für die multiparametrische MRT (mpMRT) der Prostata. Ziel ist es, verdächtige Veränderungen einheitlich zu beurteilen und die Wahrscheinlichkeit eines klinisch relevanten Prostatakarzinoms einzuschätzen. Der PI-RADS-Score dient der standardisierten Beurteilung von Veränderungen der Prostata in der multiparametrischen MRT und beschreibt die Wahrscheinlichkeit eines klinisch relevanten Prostatakarzinoms.
Die endgültige Diagnose wird durch eine Prostatabiopsie gestellt. Dabei werden mehrere Gewebeproben aus der Prostata entnommen und histologisch untersucht. Erst der mikroskopische Nachweis von Tumorzellen bestätigt die Diagnose eines Prostatakarzinoms.
Im Rahmen der feingeweblichen Untersuchung werden weitere wichtige Parameter bestimmt. Dazu gehört insbesondere der Gleason-Score beziehungsweise das ISUP-Grading, welches die Aggressivität des Tumors beschreibt. Niedrige Werte sprechen eher für langsam wachsende Tumoren, höhere Werte für aggressivere Formen. Der Gleason Score beschreibt, wie stark sich Prostatakrebszellen vom normalen Prostatagewebe unterscheiden. Je stärker die Zellen entartet sind und je ungeordneter sie wachsen, desto höher ist der Score und desto aggressiver ist der Tumor. Der Pathologe betrachtet die Biopsieproben unter dem Mikroskop. Dabei werden die beiden häufigsten Wachstumsmuster bewertet. Das häufigste Muster wird zuerst genannt, das zweithäufigste danach.
Daraus ergibt sich zum Beispiel:
Das ist wichtig, weil beide Scores zwar rechnerisch 7 ergeben, aber biologisch unterschiedlich sind:
Die Muster reichen grundsätzlich von 1 bis 5. In der heutigen Praxis werden bei Prostatakarzinomen vor allem die Muster 3, 4 und 5 verwendet.
Ein Gleason-Score 6 ist der niedrigste Score, der heute üblicherweise bei einem Prostatakarzinom vergeben wird. Er entspricht der ISUP-Gradgruppe 1 und weist meist auf einen eher langsam wachsenden Tumor hin. Ein Gleason-Score 7 liegt im mittleren Bereich. Dabei ist die Unterscheidung zwischen 3 + 4 und 4 + 3 besonders wichtig, weil sie die Therapieentscheidung beeinflussen kann. Ein Gleason-Score 8 bis 10 spricht für ein aggressiveres Prostatakarzinom mit höherem Risiko für Wachstum, Ausbreitung und Metastasierung.
Zusätzlich wird die Ausbreitung des Tumors beurteilt. Hierfür dient die sogenannte TNM-Klassifikation:
Zur Stadienbestimmung können weitere Untersuchungen notwendig sein:
Für die Therapieentscheidung werden schließlich mehrere Faktoren gemeinsam berücksichtigt:
In bestimmten Fällen, insbesondere bei langsam wachsenden und wenig aggressiven Tumoren, kann auf die sofortige Behandlung verzichtet werden. Stattdessen werden regelmäßige bildgebende und ggf. bioptische Kontrollen zur Überwachung des Tumorverlaufs durchgeführt. (Active Surveillance)
Die radikale Prostatektomie ist ein etabliertes chirurgisches Verfahren zur vollständigen Entfernung der Prostata einschließlich der Samenblasen und – abhängig vom Tumorstadium – gegebenenfalls benachbarter Lymphknoten. Sie wird vor allem bei lokal begrenztem oder auch bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom mit kurativer Zielsetzung eingesetzt. Im Jahr 2026 erfolgt der Eingriff überwiegend minimalinvasiv mittels robotisch-assistierter Chirurgie. Moderne Operationssysteme ermöglichen eine besonders präzise Darstellung anatomischer Strukturen und unterstützen den Erhalt wichtiger Nervenbahnen zur Schonung von Kontinenz- und Potenzfunktion. Je nach individueller Tumorsituation kommen folgende Operationsverfahren zum Einsatz:
Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach Tumorstadium, Begleiterkrankungen, Alter, funktionellen Erwartungen und dem individuellen Patientenwunsch.
Die Strahlentherapie zählt zu den wichtigsten kurativen Behandlungsmöglichkeiten des Prostatakarzinoms und stellt insbesondere für Patienten ohne Operationswunsch oder mit erhöhtem Operationsrisiko eine gleichwertige Alternative zur Operation dar.
Dank moderner bildgestützter Verfahren können Tumore heute hochpräzise bestrahlt und umliegendes gesundes Gewebe weitgehend geschont werden. Häufig wird die Therapie individuell mit Hormontherapie kombiniert.
Bei der externen Strahlentherapie werden hochenergetische Strahlen gezielt von außen auf die Prostata gerichtet, um Tumorzellen zu zerstören. Im Jahr 2026 kommen überwiegend hochpräzise Verfahren wie folgende zum Einsatz:
Diese modernen Techniken ermöglichen eine effektivere Tumorkontrolle bei gleichzeitig reduzierten Nebenwirkungen auf Blase und Darm.
Die Brachytherapie ist eine Form der inneren Strahlentherapie, bei der radioaktive Strahlenquellen direkt in die Prostata eingebracht werden. Dadurch kann eine sehr hohe Strahlendosis gezielt im Tumorgewebe wirken, während umliegende Organe geschont werden.
Bei der LDR-Brachytherapie werden dauerhaft schwach radioaktive Implantate („Seeds“) in die Prostata eingesetzt. Diese geben über Wochen bis Monate kontinuierlich Strahlung ab. Die Methode eignet sich insbesondere für Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom und niedrigem bis intermediärem Risikoprofil.
Die HDR-Brachytherapie arbeitet mit temporär eingebrachten Strahlenquellen, die innerhalb kurzer Zeit eine sehr hohe Strahlendosis abgeben. Dieses Verfahren wird häufig bei aggressiveren oder lokal fortgeschrittenen Tumoren eingesetzt – entweder allein oder kombiniert mit externer Strahlentherapie. Moderne 3D-Planungssysteme ermöglichen dabei eine hochpräzise individuelle Dosierung.
Die Hormontherapie verfolgt das Ziel, die Wirkung männlicher Geschlechtshormone (insbesondere Testosteron) zu reduzieren oder vollständig zu blockieren, da diese das Wachstum von Prostatakarzinomzellen fördern können. Die Therapie kommt insbesondere bei fortgeschrittenem, metastasiertem oder biologisch aggressivem Prostatakarzinom zum Einsatz und wird häufig mit Strahlentherapie oder modernen Systemtherapien kombiniert. Aktuelle Therapieformen sind:
Die Behandlung wird individuell an Tumorstadium, PSA-Verlauf, Begleiterkrankungen und die Lebensqualität des Patienten angepasst.
Die Kryotherapie ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem Tumorgewebe durch extreme Kälte gezielt zerstört wird. Über spezielle Sonden wird die Prostata kontrolliert vereist, wodurch Krebszellen irreversibel geschädigt werden. Diese Methode wird vor allem bei lokal begrenzten Tumoren eingesetzt, oder als Salvage-Therapie nach erfolgloser Strahlentherapie.Moderne bildgesteuerte Verfahren ermöglichen heute eine präzisere Behandlung mit besserer Schonung umliegender Strukturen. Die Kryotherapie spielt insbesondere im Bereich individualisierter und fokaler Therapiekonzepte eine Rolle.
CyberKnife ist kein klassisches Operationsverfahren, sondern ein robotergesteuertes radiochirurgisches Bestrahlungssystem (Photonen).
Besonders in den vergangenen Jahren hat die Methode durch technische Weiterentwicklungen, MRT-basierte Planung und moderne Bildführung zunehmend an Bedeutung gewonnen. Das CyberKnife-System kann Prostatakarzinome effektiv und komplikationsarm behandeln:
mithilfe eines beweglichen Roboterarms, einer hochpräzisen Linearbeschleuniger-Technologie und einer kontinuierlichen Bildkontrolle während der Behandlung lassen sich unerwünschte Nebenwirkungen auf ein Minimum reduzieren. Die durch die Atmung entstehende Prostatabewegungen lassen sich mit computergestützten Echtzeit-Korrektur jederzeit ausgleichen. Die nötige Strahlung wird exakt auf den Tumor fokussiert – selbst wenn sich die Prostata durch Darmbewegungen oder Blasenfüllung leicht verschiebt.
Vor der Therapie erfolgt eine präzise Diagnostik und Bestrahlungsplanung:
Zusätzlich werden kleine Goldmarker (Fiducials) in die Prostata eingebracht. Diese dienen dem CyberKnife-System zur exakten Positionsbestimmung während jeder Bestrahlung. Die Behandlung erfolgt ambulant und ist schmerzfrei. Eine Sitzung dauert ca 30 bis 60 Minuten und es sind 3-5 Sitzungen erforderlich.
Die CyberKnife-Therapie erfolgt gegenüber einer herkömmlichen Operation ambulant. Umliegendes Gewebe wird durch das schmerzfreie, submillimetergenaue und präzise Verfahren bestmöglich geschont. Eine Narkose ist nicht erforderlich.
CyberKnife eignet sich für:
Die Bestrahlung erfolgt mit exakter Zielerfassung. Dadurch werden Blase, Enddarm, Harnröhre und Nerven besser geschont als bei anderen Therapieformen. Während klassische Strahlentherapien oft 7–8 Wochen dauern, benötigt der Patient im CyberKnife nur wenige Sitzungen. Das verbessert Komfort, Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und die insgesamte Therapieverträglichkeit. Durch die nicht-invasive Behandlung gibt es kein Operationsrisiko, keine Narkosekomplikationen und keinen stationären Aufenthalt. Viele Patienten können ihren Alltag bereits unmittelbar nach der Behandlung wie gewohnt fortsetzen.
Nach Abschluss der CyberKnife-Therapie wird ein individueller Nachsorgeplan für jeden Patienten erstellt. Ziel der Nachsorge ist es, den Therapierfolg zu kontrollieren, ein mögliches Rezidiv früh zu erkennen und Nebenwirkungen an Blase oder Darm zu überwachen. Der PSA Wert ist hierbei mit das wichtigste Tool, um den Verlauf zu monitoren: die Bestimmung erfolgt alle 3 Monate im ersten Jahr, dann alle 6 Monate.
Im Einzelfall können auch zusätzliche Kontrolluntersuchungen notwendig sein (MRT/ PET CT).
Komplexer gewordene Therapiemöglichkeiten bedeuten auch, dass Ihre persönliche Entscheidung für eine Therapie immer individualisiert und mit Blick auf Ihre persönliche Lebenssituation erfolgen sollte. Wir begleiten Sie auf diesem Weg. Sprechen Sie uns an.
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Prostatakrebs kann in unterschiedlicher Aggressivität auftreten. Hierbei sind die Gewebebeschaschaffenheit und Größe des Tumors, sowie die Ausdehnung auf umliegende Strukturen entscheidend für die Prognose.
Einige Prostatakarzinome wachsen langsam und müssen aus diesem Grund nicht primär sofort operiert oder behandelt werden.
Diese werden dann engmaschig kontrolliert. Andere Tumore sind aggressiver (z.B. Gleason 9 & 10) und sollten baldmöglichst entfernt werden, da diese aufgrund ihrer Tumorbiologie rasch metastasieren können.
Prostatakrebs ist per Definition maligne. Die Tumorbiologie und lokale Ausdehnung entscheiden über Behandlung und Prognose.
Die CyberKnife-Behandlung des Prostatakarzinoms erfolgt in 5 Therapiesitzungen (in besonderen Fällen sind auch nur 3 Sitzungen an 3 Tagen möglich) an 5 aufeinanderfolgenden Tagen. Jede Behandlungseinheit dauert ca. 30 Minuten und ist ambulant und nicht-invasiv.
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