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Spinales Meningeom

Spinale Meningeome entstehen aus Arachnoidaldeckzellen (Meningothelzellen) der spinalen Meningen.

Sie sind der zweithäufigste intradural-extramedulläre spinale Tumor und machen rund 25 % aller spinalen Tumoren aus.

  • Vorkommen: Ausgeprägte Frauendominanz mit einem Verhältnis von 3–4:1 mit einem Häufigkeitsgipfel in der 5. bis 7. Lebensdekade.
  • Lokalisation: Vorwiegend thorakal (~80 %), seltener zervikal (~15 %), sehr selten lumbal gelegen.
  • Lage: Fast immer intradural extramedullär, dorsal oder dorsolateral des Rückenmarks.
  • Histologie: Meningothelial und fibrös, (Verkalkungen kommen in ca. 50 % der Fälle vor)
  • Assoziationen: Stattgehabte frühere Strahlentherapie; NF2 (selten, dann multiple Meningeome).

Spinale Meningeome werden nach der WHO-Klassifikation in drei Malignitätsgrade eingeteilt:

  • Grad I – (90%) Meningothelial, fibrös, wachsen langsam, gutartig mit geringem Rezidivrisiko (<5 %)
  • Grad II – (5-10%) Atypisch Aggressiveres Wachstum mit lokaler Infiltration und Moderatem Risiko eines Rezidivs (10–40 %)
  • Grad III – (<1%) Anaplastisch/ Maligne schnelles, infiltratives Wachstum mit hohem Rezidivrisiko (>50 %)
Spinales Meningeom Behandlung Cyberknife ERCM

Symptome und deren Entstehung

Spinale Meningeome wachsen sehr langsam, sodass ein langer subklinischer Verlauf möglich ist – Symptome entstehen durch die zunehmende Kompression des Rückenmarks (Myelon).

Myelopathie

  • Häufigstes Symptom bei Diagnosestellung
  • Spastische Para- oder Tetraparese (je nach Lokalisationshöhe)
  • Hyperreflexie, positives Babinski-Zeichen
  • Gangstörung, Sturzneigung

Sensibilitätsstörungen

  • Gürtelgefühl um den Rumpf
  • Brown-Séquard-Syndrom (halbseitige Myelonkompression führt zu ipsilateraler Parese und kontralateraler Schmerz- und Temperaturstörung)

Schmerzen

  • Lokaler Rücken- oder Nackenschmerz
  • Radikuläre Schmerzen – weniger ausgeprägt als bei Neurinomen

Blasen- oder Mastdarmstörungen

  • Harnverhalt,
  • Inkontinenz

Ataxie und Gleichgewichtsstörungen

  • Insbesondere bei zervikalen Meningeomen

Diagnose

Bildgebung und Diagnostik

MRT der Wirbelsäule mit Gadolinium-Kontrastmittel (Methode der Wahl)
  • T1 + KM: Intensive, homogene Kontrastmittelaufnahme; Dural-Tail-Zeichen (~60 %)
  • T2: Iso- bis hypointens – wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu Neurinomen (T2 hyperintens)
  • Verkalkungen Erscheinen hypointens auf allen Sequenzen
  • Scanning der gesamten Wirbelsäule empfohlen (Ausschluss von Multiplizität)
CT

Beste Darstellung von Verkalkungen

CT-Myelographie

Bei MRT-Kontraindikation als Alternative

Histologie

Nur nach Operation oder Biopsie möglich; keine spezifischen Tumormarker

NF2-Abklärung
  • Schädel-MRT bei Verdacht auf multiple Meningeome (ggf. NF2-Genanalyse)
  • Neurophysiologisches Monitoring: Intraoperativer Standard bei zervikalen Meningeomen
Differentialdiagnosen
  • Schwannom/Neurinom (T2 hyperintens, kein Dural Tail)
  • Ependymom
  • Hämangioblastom
  • Spinale Metastase

Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapieentscheidung bei spinalen Meningeomen richtet sich nach Symptomatik, Tumorgröße, Lokalisation und WHO-Grad. Folgende Optionen stehen zur Verfügung- häufig in Kombination.

„Watch & Wait“ (aktive Beobachtung)

  • Bei kleinen, asymptomatischen Neurinomen
  • Regelmäßige (jährliche) MRT-Kontrollen
  • Bei älteren Patienten oder hohem OP-Risiko
  • Therapiebeginn bei Wachstum oder Symptomzunahme

Mikrochirurgische Resektion

  • Standardtherapie bei symptomatischen Neurinomen
  • Ziel ist die vollständige Resektion (R0) unter Nervenschonung
  • Laminektomie oder Hemilaminektomie
  • Heilungsrate ~90 % nach vollständiger Resektion
  • Risiko ist ein Nervenwurzelschaden (meist tolerierbar bei sensorischen Wurzeln)

Radiochirurgie

  • Bei inoperablen Befunden, Residualtumor, Rezidiv oder Ablehnung der OP
  • nicht invasive Präzisionsbehandlung mit robotergestützer Technologie (CyberKnife)
  • 3–5 Sitzungen, ambulant
  • Tumorkontrollrate 90–95 % nach 5 Jahren

Fraktionierte Strahlentherapie

  • Bei großen Tumoren in kritischer Lage (Nähe Myelon)
  • Normo- oder hypofraktioniert
  • Gesamtdosis 45–54 Gy

CyberKnife

Die stereotaktische Radiochirurgie hat bei spinalen Meningeomen eine wachsende Evidenz – insbesondere für den Restbefund nach subtotaler Resektion und das Rezidivmeningeom.

Dank der hohen Präzision des CyberKnife-Systems kann auch bei ventraler, myelonnaher Lage eine optimale Tumorkontrolle bei gleichzeitiger Schonung des Rückenmarks erreicht werden.

Sinnvoll bei:
  • Residualtumor nach subtotaler Resektion (häufig bei ventraler oder zervikaler Lage)
  • Rezidiv nach Operation
  • Inoperabler Befund (hohes OP-Risiko, Multimorbidität)
  • Kleine asymptomatische Meningeome mit Wachstumsnachweis als OP-Alternative (in Selektion)
  • WHO-Grad-II-Menigeom adjuvant nach Resektion
  • Ablehnung einer Operation durch den Patienten

Technische Grundlagen

Das CyberKnife ermöglicht durch robotergeführte Mehrfeldtechnik eine exzellente Anpassung der Dosisverteilung an die Meningeomform. Der Dural Tail – das charakteristische Kontrastmittelsignal entlang der Dura – wird in der Bestrahlungsplanung in das Zielvolumen einbezogen. Kritische Strukturen (Myelon, Nervenwurzeln) werden individuell konturiert und Dosislimitierungen streng eingehalten.

Behandlungskonzept am Europäischen Radiochirurgie Centrum München (ERCM)

  • Interdisziplinäres Tumorboard- Neurochirurgie, Strahlentherapie, Neuroradiologie, Neuropathologie
  • Vollständige Aufarbeitung des MRT-Datensatzes- Tumorvolumen, Myelonkontur, Dural Tail
  • Therapieentscheid- Abhängig von Symptomatik, Tumorgröße, Lage (ventral/dorsal), WHO-Grad und Vorbehandlung
  • Präzise Dosisplanung-Einschluss des Dural Tail; steiler Dosisabfall zum Myelon hin
  • Ambulante Durchführung – 3 bis 5 Sitzungen ohne stationären Aufenthalt
  • Regelmäßige Nachsorge-MRT nach 3–6 Monaten, dann jährlich; neurologische Verlaufsbeurteilung

Behandlungsanfragen

Ob in Ihrem individuellen Fall ein vorhandenes Meningeom behandelt werden muss, klären wir im ERCM persönlichen mit Ihnen in einem vertrauensvollen Gespräch. Alle Therapieentscheidungen werden stets mit dem Behandlungsteam und Ihnen gemeinsam getroffen. Dabei ist es uns wichtig, dass Sie sowie Ihre Angehörigen und Menschen, die Sie unterstützen und begleiten, alle Aspekte rund um Ihre Erkrankung und deren Therapieoptionen gut verstehen und für sich einordnen können.

Zusammen mit unseren medizinischen Partnern begleiten wir Sie auf Ihrem Weg und sorgen mit unserem Team dafür, dass Sie sich von Anbeginn im ERCM gut aufgehoben fühlen.

Für Behandlungsanfragen bitten wir Sie, das Kontaktformular zu verwenden. Sie erreichen uns außerdem telefonisch während unserer Öffnungszeiten oder auch über unsere Social Media Kanäle.

Ihre Anfrage wird individuell und schnell bearbeitet.

Häufige Fragen

Nein. Kleine, asymptomatische Meningeome können zunächst mit regelmäßigen MRT-Kontrollen beobachtet werden. Erst bei Wachstum oder neurologischen Symptomen wird eine Therapie eingeleitet. Bei erhöhtem Operationsrisiko ist die Radiochirurgie eine gleichwertige Alternative.

Beide entstehen aus Meningothelzellen, unterscheiden sich aber in Lokalisation, Symptomatik und therapeutischem Zugang. Spinale Meningeome sind häufiger thorakal, zeigen eine stärkere Frauendominanz und verursachen Myelopathiesymptome. Hirnmeningeome wachsen an der Schädelbasis oder Konvexität und verursachen je nach Lage Kopfschmerzen, Epilepsie oder fokale Defizite.

Ja. Bei Rezidiv nach Operation kann eine CyberKnife Behandlung durchgeführt werden, ohne erneut zu operieren. Bei Rezidiv nach vorheriger Bestrahlung kann eine erneute radiochirurgische Behandlung unter sorgfältiger Berücksichtigung der Vorbestrahlungsdosis und der Myelongrenzwerte möglich sein. Dies wird individuell im Tumorboard entschieden.

Frauen erkranken 3–4-mal häufiger als Männer. Dies wird auf hormonelle Einflüsse zurückgeführt – Meningeome exprimieren häufig Progesteron- und Östrogenrezeptoren. Ein Zusammenhang mit exogener Hormoneinnahme oder Schwangerschaft wird diskutiert. Dies erklärt auch das Auftreten im mittleren bis höheren Lebensalter bei Frauen.

Bei vollständiger Resektion (Simpson Grad I/II, WHO Grad I) liegt das Rezidivrisiko unter 5 % in 10 Jahren.

Bei subtotaler Resektion steigt es auf 10–25 %. WHO-Grad-II-Meningeome rezidivieren in 10–40 % der Fälle. Eine adjuvante CyberKnifebehandlung nach subtotaler Resektion reduziert das Rezidivrisiko signifikant.

[1] Seliger, C., Wick, W., Neues zur Einteilung und Therapie von Meningeomen, Neurologie up2date. 2020;03(4):343-356.
https://eref.thieme.de/ejournals/2511-3658_2020_04#/10.1055-a-0965-2007

[2] Tonn, J.C., Ryang, Y.M., Muacevic, A., Schul, D., Combs, S.E., Meningeome, in: Tumorzentrum München in Zusammenarbeit mit dem CCC München, Manual Hirntumoren und spinale Tumoren, Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge, W. Zuckschwerdt Verlag GmbH München. 2016;pp149-159. Book ISBN/EAN: 9783863712006.

[3] Laur, O., Nandu, H., Titelbaum, D.S., Nunez, D.B., Khurana, B., Nontraumatic spinal cord compression: MRI primer for emergency department radiologists, Neuroradiologie Scan. 2020;10:299-321.
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[4] Gilard, V., Goia, A., Ferracci, F.X., Marguet, F., Magne, N., et al., Spinal meningioma and factors predictive of post-operative deterioration, J Neurooncol. 2018;140(1):49-54.
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[5] Hohenberger, C., Gugg, C., Schmidt, N.O., Zeman, F., Schebesch, K.M., Functional outcome after surgical treatment of spinal meningioma, J Clin Neurosci. 2020;77:62-66.
https://www.jocn-journal.com/article/S0967-5868(20)30881-X/abstract

[6] Feychting, M., Schüz, J., Toledano, M.B., Vermeulen, R., Auvinen, A., et al., Mobile phone use and brain tumor risk: COSMOS, a prospective cohort study, Environ Int. 2024;185:108552.
https://doi.org/10.1016/j.envint.2024.108552